Vera aus Südtirol als Au Pair in Neuseeland

Mein Name ist Vera, ich bin 19 Jahre alt und komme aus Südtirol (der zwei- bzw. dreisprachigen Region im Norden Italiens). Für Viele ist Südtirol der schönste Urlaubsort. Jahr um Jahr besuchen tausende von Touristen die Bergregion und genießen die Vorzüge des Landes. Aus diesem Grund verstanden viele meinen Drang, Südtirol zu verlassen, nicht. Doch mich hat schon seit Beginn meiner Oberschulzeit der Gedanke verfolgt, nach Abschluss der Schule der Engstirnigkeit meines 500-Seelen-Dorfes zu entfliehen und die Vielfalt der Welt zu erkunden.  So war es ein befreiendes Gefühl, als ich mich im letzten Schuljahr für das Au Pair Neuseeland Programm von AIFS bewarb. Noch viel befreiender war es, als es am 16. September 2019 endlich losging und ich mit fast 30 anderen Mädchen, im Flieger saß.

Let the journey begin

Zuerst ging es nach Auckland. Nach den ‚Orientation Days‘ holte mich meine Gastfamilie ab und brachte mich zu sich nach Hause. Die ersten Wochen waren aufregend und brachten viel Neues mit sich. Meine Gastfamilie gab sich große Mühe mir den Einstieg in mein neues Umfeld so einfach wie möglich zu machen.  Sie stellten mich gleich der gesamten Familie vor, und gaben mir das Gefühl dazuzugehören.  Sie zeigten mir Auckland und brachten mich bereits in der ersten Woche zum Strand, weil ich das Meer so liebe. Da es zu diesem Zeitpunkt fürs Schwimmen noch zu kalt war, freute ich mich umso mehr auf die kommende Zeit. Fletcher, mein Gastkind, wuchs mir schnell ans Herz. Beim Gedanken, dass ich mich irgendwann von ihm verabschieden musste, ergriff mich immer die Wehmut und ich genoss die Zeit mit ihm umso mehr.

Freizeit

Meine Freizeit verbrachte ich mit anderen Au Pairs oder mit meiner Gastfamilie. Es erstaunte mich immer wieder wie einfach es sein kann, neue Freundschaften zu knüpfen. So hatte ich nach nur wenigen Wochen bereits Freunde gefunden, mit denen ich mich wohl fühlte und die zu meinen engsten Vertrauten wurden. Gemeinsam verreisten wir an den Wochenenden, feierten bis in die Morgenstunden und verbrachten faule Sommertage am Strand. Fast jeden freien Nachmittag verbrachte ich mit einer Au Pair Freundin die im selben Vorort lebte. Wir trafen uns zum Spielen mit unseren Gastkindern auf dem Spielplatz oder bei uns Zuhause, fuhren in die Stadt und erkundeten die Umgebung Aucklands.

Weihnachten in Neuseeland

Weihnachten verbrachte ich mit meiner Gastfamilie und deren Verwandten. Aufgrund der Zeitverschiebung konnte ich am Morgen des 25. Dezembers gleichzeitig mit meiner Familie, die zu Hause den Heiligabend feierte, Genschenke auspacken. Ich freute mich wirklich sehr, als meine überdimensionale Socke prall gefüllt mit Geschenken war, obwohl Santa mich bis dahin ja nicht wirklich gekannt hatte. 😉 

Silvester mit Felix Oscar

Ende Dezember brach ich gemeinsam mit meinen Freundinnen zu einem zweiwöchigen Trip bis zum nördlichsten Punkt der Nordinsel (dem Cape Reinga) auf. Dort feierten wir ein unvergessliches Silvester. Unser Camper Van, den wir liebevoll Felix Oscar getauft hatten, wuchs uns sehr ans Herz.

Bereits eine Woche später ging es nach Australien, wo wir Melbourne und die Great Ocean Road erkundeten.

Umzug nach Christchurch

Anschließend zog ich auf die Südinsel, wo ich in Christchurch die letzten drei Monate meines Auslandjahres mit einer neuen Gastfamilie verbrachte. Aufgrund meiner italienischen Staatsbürgerschaft war es mir nicht erlaubt, länger als drei Monate für dieselbe Familie zu arbeiten. Der Abschied war nicht allzu schwer, da ich wusste, dass ich meine Gastfamilie in Auckland noch öfter wiedersehen würde.

In Christchurch hatte ich zwei Gastkinder, Archer (5) und Hunter (3 Monate). Archer brachte ich morgens in die Schule und holte ihn nachmittags ab, in der Zwischenzeit kümmerte ich mich um Hunter. Ich kann mich noch gut daran erinnern wie verzweifelt ich war, als ich Archer im Gewusel von über 100 Kindern, die alle dieselbe Schuluniform trugen, nicht gleich ausfindig machen konnte. Und das obendrauf mit einem quengelnden Baby im Arm. Ich musste mich erstmal durch eine ganze Schar wartender Mütter und Väter fragen, wo denn der Klassenraum von „Year One“ ist. Solche Situationen gab es während meiner Zeit in Neuseeland öfter. Situationen in denen ich unsicher und verzweifelt war und mir niemand sagen konnte, wie man zum Beispiel ein schreiendes Baby im Bus beruhigt, nachdem man schon alles Mögliche ausprobiert hatte.

Doch meistens ließen mich genau diese Situationen über mich hinauswachsen und ich konnte viel für meine Zukunft als „Vielleicht-Mami“ mitnehmen. So staunte meine Gastmutter nicht schlecht, als sie eines Abends nach Hause kam, beide Kinder geduscht und die Hausaufgaben erledigt waren, Archer lesend auf dem Sofa saß und Hunter auf meinem Arm schlief. Ganz verwundert fragte sie mich, wie ich das denn geschafft hätte. Solche Momente machten mich stolz und trugen dazu bei, dass ich mich auch in der zweiten Familie sehr wohl fühlte.

Reisen in Neuseeland

Auch auf der Südinsel fand ich schnell Anschluss und unternahm so einiges. Die Stadt Queenstown gehört zu meinen Lieblingsorten auf der Südinsel. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich dort gemeinsam mit meiner Schwester und meinem Cousin war, die mich im Februar besuchen kamen. Es war wunderschön ihnen zu zeigen wo und wie ich die letzten Monate verbracht hatte. Gemeinsam flogen wir auf die Nordinsel, wo wir unter anderem das Tongariro Crossing bewältigten und meine Gastfamilie in Auckland besuchten. Fletcher, der Anfang Februar eins geworden war, konnte mittlerweile laufen und war ein ganzes Stück gewachsen.

Besonders schön fand ich den Trip zum Abel Tasman Nationalpark im Norden der Südinsel. Dieser sah mit seinen Sandstränden und dem türkisblauen Wasser fast schon unwirklich aus. Vielleicht ist mir dieser Ausflug auch so gut in Erinnerung geblieben, weil es der letzte war, bevor durch das Coronavirus alles bergab ging. Während sich meine Familie zu Hause bereits seit Februar in Quarantäne befand, schien es zu Beginn so, als würden die Infektionen in Neuseeland verglichen mit Italien sehr gering bleiben und nicht so strenge Maßnahmen ergriffen werden. Doch als auch dort die Grenzen geschlossen wurden und das Land sich auf einen mehrwöchigen Lockdown vorbereitete, wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie weit ich von Zuhause entfernt war. Ich wollte eigentlich Ende April nach Hause fliegen. Doch nachdem mein Flug gestrichen wurde und es so schien, als würde ich auf unabsehbarer Zeit in Neuseeland feststecken, kroch in mir ein Gefühl von Heimweh hoch.

Abschied auf ungewisse Zeit

Gemeinsam mit AIFS und meinem Vater gelang es mir, einen Flug zu ergattern und ich konnte schließlich doch, zwei Wochen früher als geplant, meine Heimreise antreten.

Die letzte Woche verbrachte ich in Auckland mit meiner ersten Gastfamilie. Auch wenn ich glücklich war, meine Freunde und Familie Zuhause bald wiederzusehen, kamen mir jedes Mal die Tränen wenn ich daran dachte, dass ich Neuseeland und somit meine Gastfamilien und Freunde dort in wenigen Tagen verlassen musste. Immer wieder stellte ich mir die Frage, wie man sich von jemand verabschiedet, der sich in kürzester Zeit ganz tief ins Herz geschlichen hatte und man nicht weiß, wann man sich wiedersehen würde. Sicher, irgendwann werde ich wohl wieder ans andere Ende der Welt reisen jedoch wird bis dahin recht viel Zeit vergehen. Die Antwort auf meine Frage erhielt ich dann, als es soweit war und ich weinend Fletcher an mich drückte, der mich mit seinen großen Kulleraugen anschaute und nicht verstand warum plötzlich alle so traurig waren. Mit vielen Tränen, unzähligen Umarmungen und dem Versprechen sich zu besuchen, verabschiedete ich mich von Neuseeland.

Welcome back!

Viele Tränen gab es auch, als ich nach einer zweitägigen Reise endlich Zuhause ankam. Meine Eltern nahmen mich in die Arme, mein Bruder, der plötzlich fast gleich groß war wie ich, lachte mich mit Tränen in den Augen an und mein Hund sprang freudig mit dem Schwanz wedelnd an meinen Beinen hoch. Ich war wieder Zuhause, dort wo ich die meiste Zeit meines Lebens verbracht hatte. Doch das kleine Land am anderen Ende der Welt war in den vergangenen sieben Monaten nicht weniger ein Teil von mir geworden, als das kleine Dorf im Norden von Italien.

Tipps und Tricks für Südtiroler

Während meiner 7 Monate in Neuseeland, habe ich kein einziges Au Pair aus Südtirol oder Italien getroffen. Mir wurde bewusst, dass es bei uns noch nicht so recht durchgedrungen ist, wie schön es sein kann, ins Ausland zu gehen bzw. wie viele Möglichkeiten man hat. Sollte also jemand aus Südtirol diesen Beitrag lesen: Trau dich! Wirf deine Zweifel über Bord und plane dein Auslandsabenteuer! The other side of the world is just around the corner!

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