Meine Gastmutter bekommt ein Baby – Aus dem Leben eines Au Pairs

Hallo, ich heiße Columba, bin 21 Jahre alt und komme aus Niederösterreich. Ich wohne und arbeite derzeit als Au Pair Professional in Chicago. Seit fast 4 Monaten bin ich nun schon in den USA. In dieser kurzen Zeit hat sich aber schon sehr viel verändert.

Warum habe ich mich für ‚meine‘ Gastfamilie entschieden?

Für  mich war von Anfang an klar, dass ich in eine Familie mit neugeborenem Baby möchte. Ich hatte bisher nur Erfahrungen mit Kindern ab ca. 10 Monaten und wollte nun mit noch jüngeren Babys arbeiten. Warum genau kann ich schwer sagen, aber ich wollte einfach unbedingt diese Erfahrung dazugewinnen.

Als ich auf das Profil meiner jetzigen Gastfamilie stieß, war recht schnell klar, dass es zwischen uns gut passen würde: Schwangere Mutter, Vater, 2 ½ jähriger Bub und ein Hund. Der Geburtstermin für das Neugeborene sollte zwei Monate nach meiner Ankunft in den USA sein. Das hörte sich alles sehr gut an und da auch die Chemie zwischen der Familie und mir stimmte, ‚matchten‘ wir bereits nach dem zweiten Skype-Gespräch.

Das Leben mit einer schwangeren Gastmutter

In den ersten Wochen merkte ich am Verhalten meiner Gastmutter kaum, dass sie schwanger war. Klar hatte sie einen kugelrunden Bauch, aber ansonsten war sie eine aktive Frau, die Vollzeit arbeiten ging, regelmäßig Sport machte und sich liebevoll um ihre Familie kümmerte.

Als der Geburtstermin näher rückte, merkte ich aber sehr wohl, dass schon die kleinsten Aktivitäten anstrengend für sie waren, weshalb ich versuchte ihr noch mehr Arbeit im Haushalt oder mit dem Buben abzunehmen.

Wenn ich das amerikanische System richtig verstanden habe, arbeiten Schwangere normalerweise bis zur Geburt. Meine Gastmutter hatte sich aber Urlaub aufgespart, sodass sie 2 ½ Wochen vor der Geburt in Urlaub gehen konnte. Wenn ich daran denke, dass es in Österreich vor und nach der Geburt Mutterschutz gibt, bin ich richtig froh Österreicherin zu sein! In der Zeit, in der meine Gastmutter Urlaub hatte, unternahmen wir oft gemeinsam Aktivitäten mit dem Jungen, sodass sie Zeit mit ihm verbringen konnte, aber Unterstützung durch mich hatte.

Die Geburt

Je näher der Geburtstermin rückte, umso nervöser wurde auch ich. Ich hatte mich gerade an das Leben mit nur einem Gastkind gewöhnt und schon sollte so eine große Veränderung stattfinden.  Klar, dafür habe ich mich bewusst entschieden, trotzdem war die Ungewissheit etwas unangenehm: Wann genau kommt das Baby? Wie lange werden sie im Spital bleiben? Wie kann ich meinen Buben bei Laune halten, wenn er seine Mama für ein paar Tage nicht sehen kann? Usw.

Es war abgemacht, dass ich spontan einspringen werde, sobald meine Gastmutter Wehen bekommt – Tag oder Nacht – und die Großeltern, die etwa eine Stunde mit dem Auto entfernt wohnen, würden sich auf den Weg machen, um dann zu übernehmen.

Der errechnete Geburtstermin war an einem Mittwoch. Bereits am Montag hatte meine Gastmutter eine Behandlung beim Arzt, die Wehen auslösen kann/soll. Sie hat mich vorgewarnt und damit gerechnet, dass die Wehen ein paar Stunden nach der Behandlung einsetzen. Dem war aber nicht so, also ging das Warten weiter.

Leider hatte der Bub in dieser Woche einen Magen-Darm-Virus, der sich donnerstags auch bei uns Erwachsenen bemerkbar machte. Doch wie es das Schicksal so will, setzten just Donnerstagnacht die Wehen ein. Ein schlechteres Timing hätte es wohl kaum geben können. Ich hatte also Magen-Darm-Probleme und das Babyphone bei mir im Zimmer, während meine Gasteltern ins Spital fuhren. Am nächsten Morgen konnte ich das Babyphone abgeben und sowohl Bub als auch Hund fuhren mit zu den Großeltern.

Der Alltag mit einem Baby

Da man als Au Pair erst mit einem Baby alleine sein darf, wenn dieses mindestens drei Monate alt ist, habe ich bisher noch nicht wirklich mit dem Baby gearbeitet. Im Moment sind beide Eltern in Karenz, was auch die Arbeit mit dem 2 ½ Jährigen sehr verändert hat. Da die Eltern mit dem Baby großteils zu Hause sind, will natürlich auch der Bub lieber Zeit mit den Eltern als mit mir verbringen. Es ist für mich oft schwer ihn für etwas anderes zu begeistern. Das Baby ist wohl das „typische Zweitgeborene“: Es weint eigentlich nur, wenn es Hunger oder eine volle Windel hat oder müde ist – oder wenn sie gebadet wird, das mag sie nämlich gar nicht.

Abgesehen davon, dass jetzt auch die Eltern zu Hause sind wenn ich arbeite, hat sich aber nicht allzu viel verändert. Die große Umstellung wird kommen, wenn ich auf beide Kinder gleichzeitig aufpassen muss – ich bin schon sehr gespannt und freue mich darauf, versuche aber auch die Zeit zu genießen, in der wir im Grunde drei Erwachsene und zwei Kinder sind.

Liebe Grüße aus Chicago,
Columba

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