Wie ich zur Taufpatin meines Gastkindes wurde

Hi,
Mein Name ist Kathi und ich war für 21 Monate ein Au Pair Professional in Arizona. Vor so ziemlich genau drei Jahren, bekam ich eine E-Mail, dass eine Gastfamilie an mir interessiert ist. Da ich kurz davor eine Absage erhalten hatte, war ich umso begeisterter. Während des Lesens der E-Mail hat sich meine Begeisterung noch mehr gesteigert.

Da die Anfrage mitten in die Maturazeit gefallen ist, ist ein Skypegespräch erstmal nicht möglich gewesen und so beschränkte sich unser Kontakt erstmal nur auf E-Mails. Dadurch habe ich aber bereits einen guten Einblick in das Familienleben bekommen und mir wurde jede erdenkliche Frage so ehrlich wie möglich beantwortet. Als der Maturastress dann endlich abgeebbt ist, war es an der Zeit für unser erstes Skype-Date.

Matchingphase

Sie haben mir die Kinder vorgestellt und auch das Haus und den Garten gezeigt. Bei einem weiteren Gespräch habe ich dann auch meinen Gastvater kennengelernt. Danach stand für uns eigentlich fest, dass dies ein gutes Match werden würde, und haben es auch gleich offiziell gemacht.

Da meine Gastfamilie fast jeden Sommer in der Nähe von Wien verbringt, hatte ich die Möglichkeit, sie drei Monate vor meiner geplanten Ausreise persönlich kennenzulernen. Bei einem gemeinsamen Wochenendtrip nach Budapest, haben wir dann geschaut, ob die Chemie zwischen mir und den Kindern bzw. der Gastmutter auch wirklich stimmt.

Im Laufe des Sommers haben wir uns mehrmals getroffen, ich habe ihnen das ein oder andere in Wien gezeigt und meine Eltern hatten die Möglichkeit, meine zukünftige Gastfamilie persönlich kennenzulernen, was alle Beteiligten etwas beruhigte. Ende August ging es für meine Gastfamilie zurück nach Arizona, während ich meinen letzten Monat in Österreich genoss.

Schock nach Ankunft

Am 21. September ging es nach New York City und drei Tage später weiter nach Phoenix in Arizona. Dort angekommen, hatte ich erstmal einen Schock: Die Gastfamilie schien eine 180 Grad Wendung gemacht zu haben. Ich habe mich die ersten Wochen richtig unwohl gefühlt, habe täglich weinend zuhause angerufen und gesagt, dass ich dort weg möchte. (Meine Freunde und Familie sagen heute noch, sie hätten mich weder davor noch danach jemals wieder so erlebt.) Meine Gastmutter wirkte fast kalt und hat kaum mit mir gesprochen. Die Gasteltern haben sich, wenn sie denn mal zuhause waren, in ihr Zimmer verzogen und kaum eine Mahlzeit mit mir oder den Kindern eingenommen. Ich habe mich unwillkommen und unerwünscht gefühlt. Glücklicherweise habe ich mir den Ratschlag der Agentur zu Herzen genommen und erst einmal abgewartet. Nach der Abreise des vorigen Au Pairs, die bis dahin noch in der Familie lebte, änderte sich alles schlagartig: Meine Gastmutter hat mir plötzlich die Malls gezeigt und ist mit mir und den Kindern shoppen gefahren, sie haben mich zu Familientreffen mitgenommen, fast immer mit mir und den Kindern gegessen und abends haben wir gemeinsam fern geschaut. Ich wurde ein Teil der Familie, wurde bei Urlaubsplanungen oder Ähnlichem miteinbezogen und durfte auch die gemeinsame Freizeit mitgestalten.

We are family

Ich habe die Zeit in der Familie so sehr genossen und alle so sehr ins Herz geschlossen, dass ich sogar um neun Monate bei ihnen verlängert habe. Ich möchte dennoch nicht behaupten, dass die Zeit in der Familie immer toll und einfach war. Ganz im Gegenteil! Wie in einer richtigen Familie, hatten auch wir unsere Meinungsverschiedenheiten: einerseits bei der Kindererziehung und der Haushaltsführung, andererseits in politischen Belangen. Doch auch diese, zum Teil, sehr unterschiedlichen Ansichten, haben wir überwunden und ich traue mich fast zu sagen, dass sie unsere Beziehung gestärkt haben.

Mit meiner Abreise war unsere Geschichte bzw. Zeit, jedoch noch lange nicht zu Ende. Meine Gastfamilie ist zeitgleich mit mir nach Österreich gezogen und verbringt momentan eine Art Auslandsjahr in Österreich, um Deutsch zu lernen. Wir sehen uns fast jede Woche, gehen gemeinsam essen und ich konnte ihnen schon einige österreichische Traditionen, wie das Maibaumaufstellen, zeigen. Die Kinder freuen sich immer, wenn sie mich zuhause besuchen oder sogar bei „ihrer Kathi“ schlafen dürfen. Für sie ist es gerade schwer verständlich, dass ich im September nicht mit ihnen nach Arizona zurückkehren kann. Immerhin muss ich doch wieder ‚nachhause‘ kommen und in ‚mein Zimmer‘ einziehen.

Den ultimativen Liebesbeweis erbrachte mir meine Gastfamilie erst kürzlich, als ich gefragt wurde, ob ich die Taufpatin meines jüngsten Gastkindes werden möchte. Auch eine mögliche Rückkehr durch mich als ihr Au Pair, steht bereits im Raum und ich kann es kaum erwarten, dieses Abenteuer eventuell zu wiederholen.

Fazit

Wie ihr seht, sollte man sich zwar auf sein Bauchgefühl verlassen, aber auch das Bauchgefühl braucht manchmal ein bisschen länger, bis es eine Situation richtig einschätzen kann. Ich für meinen Teil bin froh, dass ich mich gegen ein Rematch und somit für meine zweite Familie am anderen Ende der Welt entschieden habe. Ein Leben ohne meine zwei Mädels, ist für mich kaum mehr vorstellbar, denn ich habe sie wirklich sehr ins Herz geschlossen.

Liebe Grüße,
Kathi

Werde ein Au Pair in den USA mit AIFS: www.aifs.at

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