Au Pair in Brooklyn - Ein etwas anderer Erfahrungsbericht

von Sonja

Au Pair in Brooklyn - Ein etwas anderer Erfahrungsbericht

Seit Jahren wünschte ich mir, für eine kurze Zeit in Amerika zu leben. Jeder hat seine Vorstellung von Amerikanern, den Städten mit vielen Hochhäusern und dem typisch amerikanischen Essen. Ich wollte diese Kultur und Landschaften jedoch selbst erleben. Zwei Jahre vor meiner Ausreise informierte ich mich über eine Au Pair Agentur, von der ich zufällig gehört hatte. Doch als ich eine Messe für Berufe und Weiterbildungen besuchte, wurde ich auf AIFS aufmerksam. Die Agentur war mir sofort sympathisch, vor allem, weil ein Programm für all jene mit einer pädagogischen Ausbildung angeboten wurde. Ich besuchte die BBAKIP St. Pölten und wollte natürlich die Vorteile dieses Au Pair Programms nutzen. Denn das „Au Pair Professional“ Programm von AIFS ist nicht nur günstiger als das normale Au Pair Programm, man verdient als Au Pair Extraordinaire (wie es in Amerika genannt wird) auch mehr Taschengeld. Nachdem meine Bewerbung abgeschlossen war, wurde ich von mehreren amerikanischen Gastfamilien kontaktiert. Das beste Gefühl hatte ich allerdings bei meiner Gastfamilie aus Brooklyn, New York. Die Familie bestand aus den Gasteltern und drei Kindern. Blaise (damals 8 Jahre), Cole (damals 7) und Ailey (zu Beginn meines Au Pair Aufenthalts 3) waren überrascht, als ich bei ihnen zu Hause ankam. Sie hatten zuvor kein Au Pair, also war es für sie eine komplett neue Erfahrung. Sie gingen trotzdem sofort offen auf mich zu und man merkte, dass sie sich sehr darüber freuten, mich in ihrem Haushalt zu haben. Die Gastfamilie wohnt, wie bereits erwähnt, in Brooklyn, jedoch besitzt sie ein größeres Landhaus in Waccabuc, New York, indem sie die Ferien und fast jedes Wochenende verbringt. Ich konnte somit nicht nur mit dem Stadtleben, sondern auch mit dem amerikanischen Landleben Erfahrungen machen.An das amerikanische Leben gewöhnte ich mich, nach dem ersten Kulturschock, recht schnell. Ich liebte es Zeit mit der Gastfamilie zu verbringen, hatte aber auch gern meinen Freiraum und unternahm an meinen freien Tagen gern Städtetrips mit anderen Au Pairs. Als Au Pair ist man für die Gastfamilie immer da, man muss also auch mal spontan einspringen und babysitten. Als Ausgleich durfte ich dafür einige Konzerte (Mackelmore, Robin Thicke, Beyonce) sehen, da meine Gastmutter durch ihren Job kostenlos Karten bekam. In meiner kurzen Zeit in Amerika konnte ich sehr viel erleben. Halloween war für mich ein besonderes Highlight. Bereits untertags sah man fast nur verkleidete Menschen. Von den Lehrern in der Schule bis hin zur Verkäuferin im Supermarkt trug jeder ein Kostüm. Abends sahen wir uns die Halloween Parade in Manhattan an. Dort war jedoch nicht die Parade selbst das Besondere, sondern die Menschen, die man unterwegs traf. Solche Kostüme (z.B. Mona Lisa inklusive Rahmen) sieht man wirklich nur in Amerika. Ein weiteres tolles Erlebnis war das Wochenende mit meiner Gastfamilie in den Hamptons. Der Familie gehört dort ein weiteres Haus, welches sie allerdings im Sommer vermieten. Daher fuhren wir erst im Oktober nach Amagansett. Trotz der kühlen Temperaturen war es ein wunderschönes Wochenende in den traumhaften Hamptons. Philadelphia bereiste ich zweimal. Einmal mit meiner Gastmutter, ein weiteres Mal mit anderen Au Pairs. Die Stadt ist wunderschön, für mich bleibt aber weiterhin New York City die beste Stadt überhaupt.Thanksgiving ist das Familienfest in Amerika schlechthin. Gemeinsam mit der Gastfamilie saß ich sechs lange Stunden im Auto, um zu den Eltern des Gastvaters zu fahren. Diese nahmen mich herzlichst auf als wir ankamen. Das Thanksgiving-Essen war etwas ganz Besonderes. Sogar für mich, als Vegetarier. Jeder einzelne nahm sich 10 Sekunden vor dem Essen Zeit, um Dankesworte zu sagen. Ich bedankte mich für die gemeinsame Zeit mit meiner tollen Gastfamilie. Nach diesem gemeinsamen Ausflug nach Webster ging meine Au Pair Zeit bald zu Ende. Ich suchte im Dezember 2013 einen Arzt in New York auf, da ich mich wochenlang mit einem schlimmen Husten rumquälen musste. Noch in derselben Nacht wurde ich ins „NYULMC“ Krankenhaus gebracht, wo weitere Untersuchungen an mir durchgeführt wurden. Da ich mehrere Tage im Krankenhaus verbringen musste, flog mein Vater zu mir um mich mental zu unterstützen. Bald stand fest, dass ich „Morbus Hodgkin“ hatte, was eine bösartige Erkrankung des Lymphsystems ist. Nicht nur meine Familie in Österreich war schockiert, sondern auch meine Gastfamilie in NY war erschüttert. Ich musste also meinen Au Pair Aufenthalt nach fünf Monaten krankheitsbedingt abbrechen, um in Österreich behandelt zu werden. Trotz allem bin ich weiterhin mit meiner Gastfamilie in Amerika in Kontakt und freue mich schon sehr darauf, sie zu besuchen, sobald ich wieder nach Amerika reise. Ein großes Dankeschön möchte ich hiermit an die Agentur AIFS, aber auch an die Partneragentur Au Pair in America richten, die mich in dieser schweren Zeit unterstützt haben. Ebenso geht ein großes Dankeschön an die Au Pair Versicherung, die alle Kosten im Krankenhaus, sowie den Flug meines Vaters und meinen Heimflug übernommen hat. Allen zukünftigen Au Pairs möchte ich ans Herz legen, die Zusatzversicherung dazuzubuchen. Ich war vor dieser Erkrankung immer gesund, dennoch weiß man nie, was das Leben für einen bereithält. Abschließend möchte ich sagen, dass mein Au Pair Aufenthalt in Amerika etwas ganz Besonderes war und meinen Charakter sehr geprägt hat. Durch meine Zeit im Ausland habe ich wertvolle Freundschaften geschlossen, die bis heute anhalten. Vor allem bin ich jedoch dankbar, eine zweite Familie in Amerika zu haben, die für immer in meinem Herzen bleibt. An alle Au Pairs oder die es zunächst werden: Ich wünsche euch eine unvergessliche Zeit und nur das Beste für euren Aufenthalt in Amerika!