Sports Coaching in Südafrika

von Ronja

Sports Coaching in Südafrika

Als ich von meinem Trip nach Hause kam, war die erste Frage meiner Freunde „WIE WARS??! Erzähl uns alles!“ und meine Antwort war „Unglaublich, wunderschön, einfach toll und interessant. Es hat sich gelohnt!“. Doch wenn wir dann zum Teil des Erzählens kamen, fiel es mir schwer eine Antwort zu finden.
Wie soll ich 5 Wochen Südafrika zusammenfassen? Meine Mutter sagt immer, dass sie mir gerne zuhört wenn Leute mich mal wieder fragen wie es in Südafrika war, da ich wohl jedes Mal neue Einzelheiten berichte die sie noch nicht kennt. Demnach sind 5 Wochen Südafrika wohl mit der unendlichen Geschichte zu vergleichen.

Also von Anfang an: Ich wusste schon lange, dass ich nach dem Abitur etwas erleben möchte. Ich war sehr offen was den Ort dieses Erlebnisses anging. So dachte ich noch vor ein paar Monaten ich würde nach Arizona gehen und Naturschutz betreiben. Ich erhielt allerdings eine Absage, da das Projekt schon ausgebucht war.
Glück im Unglück? Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass das Projekt Sports Coaching in Südafrika wie auf mich zugeschnitten war! Sport, ein fremdes Land sowie eine fremde Kultur, viele nette Leute die meine Interessen teilten und die ich kennen lernen durfte.
Am 12.07.2013 flog ich also das erste Mal alleine so eine weite Strecke. Erst mal ein Schock, denn ich fand es wirklich kompliziert mich auf den Flughäfen (Frankfurt – Äthiopien – Johannesburg – Port Elizabeth) zu Recht zu finden und nicht immer halfen mir die Auskünfte des Flughafenpersonals weiter. Ich kam jedoch nach 19 Stunden Hinflug unversehrt in Port Elizabeth an und sah auch schnell das Pappschild mit der Aufschrift „United Through Sport“.
Am Volontäre -Haus angekommen stellte ich fest, dass ich eine der letzten Ankömmlinge war, ich fühlte mich jedoch schnell gut aufgenommen und fand auch nach wenigen Minuten die einzige deutsche Teilnehmerin außer mir. Die restlichen Teilnehmer kamen aus der USA, England/Schottland, Schweiz, Holland und Dänemark. Die ersten Tage waren zur Einführung ins Projekt gedacht. Wir lernten viele lustige Aufwärmspiele kennen und wurden allgemein in den Umgang mit den Kindern eingeweiht.
Es war auf jeden Fall sehr hilfreich und es machte Spaß, die Spiele selber auszuprobieren und dabei die Gruppe noch besser kennen zu lernen. Daraufhin wurden wir in feste kleinere Gruppen aufgeteilt, die sich in den verschiedenen Sportarten unterschieden. Ich war mit 4 weiteren für die nächsten 5 Wochen für die Sportart Fußball zuständig.

Am Mittwoch den 17.07 war unser erster Arbeitstag. Die Arbeit mit den Kindern war für mich eine ganz neue Erfahrung und sie machte mir riesig Spaß. Die Kinder dort strahlen eine Lebensfreude aus wie ich sie selten erlebt habe. Wir fuhren Montag bis Freitag täglich drei Schulen an und hatten zwischen 40 min – 1 ½h Zeit unsere Trainingseinheiten durchzuführen.
Die Kinder waren 8-14 Jahre alt und so gut wie alle waren motiviert etwas von uns zu lernen. Die verschiedenen „Wiesen/Felder“ auf denen wir trainierten waren zu Anfang ein kleiner Schock. Viele Plätze waren voller kleiner und großer Steine oder auch Müll. Nicht selten war es schwer den Ball auf dem huckeligem Untergrund zu kontrollieren. Wir merkten aber auch, dass sich die Kinder schon lange damit abgefunden haben und ein aufgeschlagenes Knie eben einfach so hingenommen wurde. Ordentliche Rasenplätze waren eher die Ausnahme.

Wir hatten auch viel Kontakt zu den gerade eingeschulten Kids, denn die warteten immer ganz aufgeregt am Rand, bis wir die Stunde endlich beendeten. Dann stürmten sie auf den Platz und rissen uns fast zu Boden. Ich wusste nicht, dass ich vier der kleinen Knirpse tragen kann, wurde aber schnell vom Gegenteil überzeugt. Ohne dass man es erwartet springt der erste auf deinen Rücken, eine Kleine kommt von der Seite und schaut dich mit ihren großen Augen an, so dass du natürlich nicht nein sagen kannst und sie auch noch hochhebst. Die Kleinen bemerken schnell, dass du noch einen Arm frei hast und klammern sich fest an diesen und ziehen ihre Füße in die Luft. Das ganze verspricht für den nächsten Tag Muskelkater und blaue Flecke, aber wer könnte diesen Kindern schon böse sein?

Zu den Wochenenden: Was ich nicht erwartet hätte war, dass wir viel ausgegangen sind (wir waren in Bars, sind in Diskos gegangen oder haben „zu Hause“ gefeiert), was meiner Meinung nach unsere Gemeinschaft sehr gestärkt hat. Ich konnte schnell alle Namen und war mir mit eigentlich jedem sympathisch.

Wir waren jedes Wochenende (Samstag auf Sonntag) an verschiedenen Orten unterwegs. Das waren geplante Ausflüge der Organisation, die ich wirklich sehr gut ausgewählt fand. Wir waren in der Küstenstadt Jeffreys Bay und haben in einem wunderschönen Hostel, direkt am Meer geschlafen. Einige von uns haben eine Surfstunde genommen andere, so wie ich, waren Dune Boarding. Dune Boarding ist absolut empfehlenswert, einfach eine lustige und trotzdem mit Adrenalin gefüllte Erfahrung.

Am Wochenende darauf war ich auf einer Safari. Dort hatte ich ein aufregendes Erlebnis mit einem Elefanten der sich scheinbar von uns belästigt fühlte während er fraß und deshalb versuchte unseren Jeep mit seinen Stoßzähnen umzuschubsen. Unser Fahrer musste letztendlich mit gefühlten 0 auf 100 davon rasen. Ich hatte lange nicht mehr solche Angst und bin trotzdem unglaublich dankbar für das Risiko das unser Guide einging. Und als ich dachte, dass dieses Wochenende das Beste meines Lebens gewesen wäre, rechnete ich noch nicht damit was für ein Gefühl ein Bungee Sprung von der Bloukraans Brücke bei mir auslösen würde! Wenn man an der Kante einer 216m hohen Brücke steht und einfach nach "5,4,3,2,1 Bungeeeeee!" springt, ist es als wäre man das erste Mal im Leben wirklich frei!

Das letzte Wochenende kam schneller als gedacht und jeder durfte sich selbst überlegen was er unternehmen wollte. Viele sind mit gemieteten Autos nach Kapstadt oder an die östliche Küste gefahren. Ich bin mit 10 anderen im Volontär Haus geblieben und wir haben uns drei schöne, entspannte Tage gemacht und abends eine Pyjamaparty geschmissen.

Ein weiteres Erlebnis war mein Geburtstag, der in der letzten Arbeitswoche war. Als ich noch in Deutschland war wusste ich nicht ob ich es gut finden sollte meinen 20. Geburtstag in Südafrika mit fremden Menschen zu feiern. Jetzt kann ich sagen, dass es eindeutig der beste Geburtstag war den ich je hatte. Über hundert Kinder sagen für mich Happy Birthday, das bereitete mir eine Gänsehaut die heute noch wiederkommt wenn ich mich an dieses Ereignis erinnere.
Ja und schon stand der Tag der Abreise vor der Tür. Ich hätte nie gedacht, dass mir fremde Menschen innerhalb von fünf Wochen so ans Herz wachsen könnten, doch das taten sie… und der Abschied fiel mir sichtlich schwer.

Jetzt bin ich seit ca. drei Wochen wieder zu Hause und wenn ich könnte würde ich sofort wieder zurückfliegen. Natürlich bin ich froh meine Familie und meine Freunde um mich rum zu haben, aber mein Leben hier ist nicht mit Südafrika zu vergleichen und ich schätze einfach die Erfahrungen die ich dort gemacht habe.

Das Fazit kann ich klar mit den Worten auf die Frage „WIE WARS??!“ die mir meine Freunde stellten beantworten: Es war unglaublich, wunderschön, einfach toll und interessant. Es hat sich gelohnt!
Liebe Grüße Ronja.