Südafrika - ein Land, das kontrastreicher nicht sein könnte mit seinen herrlichen Landschaften...

von Verena Reinert

Südafrika - ein Land, das kontrastreicher nicht sein könnte mit seinen herrlichen Landschaften...

Südafrika – ein Land, das kontrastreicher nicht sein könnte mit seinen herrlichen Landschaften, der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt und den vielen verschiedenen Kulturen. Dieses Fleckchen Erde an der Südspitze des afrikanischen Kontinents sollte nun also für die nächsten zweieinhalb Monate meine neue Heimat werden. Zusammen mit zwei anderen deutschen Volunteers (Kasia aus Hamburg und Sarah aus Leipzig) machte ich mich im April 2008 auf den Weg nach Südafrika, um dort als Freiwillige in der „Little Oaks Pre-School“ in Mamre, einem Ort ca. eine Stunde von Kapstadt entfernt, zu arbeiten.  Als wir früh morgens um 5 Uhr zum ersten Mal südafrikanischen Boden am Flughafen von Kapstadt betraten, hatte ich noch gar nicht realisiert, dass hier ein aufregendes Abenteuer auf mich wartete. Während der Einführungswoche hatten wir die Gelegenheit, erste Eindrücke von dem Land zu sammeln, in dem wir die nächsten 10 Wochen verbringen würden, und auch die anderen Volunteers unserer Gruppe kennenzulernen. Wir waren ein bunt gemischtes Team, das aus vier Kanadiern, einem Niederländer und drei Deutschen bestand. Gemeinsam nutzten wir die ersten Tage, die sehr sonnig waren (das gefiel uns besonders nach dem kalten Winter in Deutschland), um Ausflüge zu den bekanntesten Zielen in und um Kapstadt zu machen. Auf dem Programm standen unter anderem die Weingegend rund um Stellenbosch inklusive Weinverkostung, die Gefängnisinsel Robben Island, wo Nelson Mandela inhaftiert war, und eine Townshiptour. Bereits jetzt hatte mich dieses einzigartige Land in seinen Bann gezogen und ich war sehr gespannt darauf, mehr zu sehen. Vor allem die Kontraste der Großstadt Kapstadt zu den Townships am Rande der Stadt, in denen die Menschen in ärmlichsten Verhältnissen in Weltblechhütten leben, haben mich sehr beeindruckt und gleichzeitig schockiert.    

Tafelberg 
Leider verging diese erste Woche viel zu schnell und es hieß zum ersten Mal Abschied nehmen von den anderen Volunteers, die man schon sehr ins Herz geschlossen hatte, denn wir wurden alle in unterschiedliche Projekte und Gastfamilien verteilt. Jedoch war uns allen klar, dass wir uns spätestens am nächsten Wochenende wieder in Kapstadt treffen würden. Nach einstündiger Fahrt mit dem Auto kamen wir in Mamre an, wo ich schon sehnsüchtig von meiner Gastmutter Sofia (einer pensionierten Lehrerin) und ihrem Hund Chloe erwartet wurde. Der Empfang war sehr herzlich und gastfreundlich. Ich hatte „Mama Sofia“ schnell in mein Herz geschlossen und auch sie behandelte mich wie ihre eigene Tochter. Dadurch fiel es mir leicht, mich in meinem neuen Zuhause einzuleben und Heimwehgedanken kamen erst gar nicht auf. Während der Woche arbeitete ich vormittags in einer Pre-School mit 20 Kindern (unterrichtet wurde in einer Garage), in der die Kinder bereits ab dem Alter von drei Jahren spielerisch auf die Schule vorbereitet werden. Hier hat es mir sehr gut gefallen. Ich wurde von den Kindern und der Leiterin stürmisch, aber herzlich begrüßt und die Kleinen kamen mir jeden Morgen schon von Weitem entgegengelaufen. Sehr beeindruckt war ich auch von den Gesangskünsten der Kinder. Die Lehrerin liebte es nämlich, jeden Tag mit den Kindern zu singen und ihnen neue Lieder beizubringen. Hier sind auch die sonst eher ruhigeren Kinder richtig aufgelebt. Wichtig waren auch die täglichen Gebete. Die Erwachsenen und Kinder sind so unglaublich dankbar für ihre Bildung, das Essen und ihre Familien und beten auch in der Schule ständig. 

Little Oaks Pre-School 
Erschreckend dagegen fand ich allerdings den Kindergarten, in dem ich nachmittags gearbeitet habe. Hier waren etwa 100 Kinder zwischen zehn Monaten und sechs Jahren den ganzen Tag zusammen in einem Raum untergebracht, der nicht sehr groß war. Mittags bekamen sie ein warmes Essen, dann war Mittagsschlaf angesagt. Wer Glück hatte, durfte auf dem Teppich liegen, die anderen lagen auf dem blanken Boden. Bei  schönem Wetter durften alle danach noch draußen spielen. An die teilweise sehr harten Erziehungsmaßnahmen musste ich mich erst gewöhnen, da wir in Deutschland ein anderes Verständnis von Kindererziehung haben. Dadurch fiel es mir anfangs auch schwer Kontakt zu manchen Kindern aufzubauen, da viele sehr zurückhaltend und ängstlich waren. Mit der Zeit bekam ich aber auch von ihnen immer öfter ein Lächeln geschenkt und wurde herzlich begrüßt, wenn ich zur Tür herein kam. Diese Momente gaben mir die nötige Kraft, um die negativen Seiten auszublenden und ich war einfach unheimlich glücklich darüber, dass ich hier sein durfte und den Kindern ein kleines Gefühl von Wärme und Zuneigung schenken konnte.  

Kindergarten 
Auch die anfänglichen Verständigungsprobleme (fast alle Kinder sprechen nur Afrikaans und kaum Englisch) waren bald kein Problem mehr. Man musste sich eben mit Händen und Füßen verständigen und manche Kinder, die Englisch sprechen konnten, halfen mir beim Übersetzen. Nach der Arbeit hatten meine Gastmutter und ich immer unglaublich viel Spaß zusammen. Seit ihr Mann vor ein paar Jahren gestorben ist, nimmt sie regelmäßig Volunteers aus der ganzen Welt bei sich auf. So hat sie schon sehr viele Bekanntschaften gemacht und konnte mir jeden Tag neue spannende und auch witzige Erlebnisse und Geschichten erzählen. Abends haben wir dann gemeinsam gekocht und ich hatte die Gelegenheit, viele afrikanische Gerichte kennenzulernen und sie später meiner Familie und Freunden  zu präsentieren. Es war immer sehr lecker, auch wenn die „Chicken Feet“ (Hühnerkrallen) nicht so ganz nach meinem Geschmack waren. Meine Gastmutter Sofia hat es mir so ermöglicht, das Südafrikanische von allen Seiten kennenzulernen, sowohl positiv als auch negativ, und die Zeit mit ihr hat in meinem Leben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Direkt am ersten Wochenende hat sie mich zur Hochzeit eines Freundes mitgenommen und ein paar Wochen später wurde das Baby der Nachbarn getauft und wir haben zusammen ein großes Fest bei uns im Haus gefeiert. Mittwochs fand immer ein Bibel-Treffen statt, jede Woche in einer anderen Familie. Bei diesen Treffen kommen alle Nachbarn zusammen, die stark an Gott glauben. Dort verspürte ich jedes Mal eine unglaubliche Energie und am Ende haben viele Leute geweint. Manchmal wurde ich auch in ihr Gebet aufgenommen. Während meiner Zeit in Mamre habe ich unglaublich viele nette Menschen kennengelernt, deren pure Lebensfreude mich sehr beeindruckt hat. Viele von ihnen mussten schon schwere Schicksalsschläge auf sich nehmen und haben trotzdem nie den Glauben an Gott und die Hoffnung auf ein besseres Leben verloren. Der Abschied von Sofia ist mir sehr schwer gefallen, da ich am Ende einfach schon zur Familie dazu gehört habe. Ich hätte mir keine bessere Gastmutter vorstellen können.  Jeden Freitagnachmittag bin ich mit dem Bus nach Kapstadt gefahren und ich habe das Wochenende dort mit anderen Volunteers, die schnell zu guten Freunden wurden, verbracht. Übernachtet wurde in einem Hostel. Der Zehner-Schlafsaal war zwar nicht sehr komfortabel, aber günstig. Die freie Zeit haben wir ausgiebig genutzt, um uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie „Cape of Good Hope“ oder das South African Museum anzusehen, den Tafelberg zu erklimmen oder uns am wunderschönen Sandstrand von Muizenberg mit anderen Surfern zu messen. Zugegeben, bei den meisten sah es besser aus als bei uns, aber es hat Spaß gemacht. Auf der Peninsula-Tour (Fahrt zum Kap der Guten Hoffnung) sind wir über die weltbekannte Küstenstraße „Chapman’s Peak Drive“ gefahren und konnten am Boulder’s Beach erste Bekanntschaften mit  den einheimischen Pinguinen machen. Die Abende haben wir oft in der Long Street verbracht. Dort war eigentlich immer was los, sodass nie Langeweile aufkam.  

Chapman’s Peak Drive 
Natürlich gibt es in Kapstadt und ganz Südafrika noch sehr viel mehr zu sehen, allerdings war unsere Zeit dort einfach zu kurz. Nachdem meine Arbeit im Projekt beendet war, bin ich mit zwei anderen Volunteers die bekannte Garden Route an der Ostküste entlang gereist. Hier hatten wir endlich die Gelegenheit mehr von der einzigartigen Natur zu sehen und bei einer Horse-Safari auch die atemberaubende Tierwelt live zu erleben. Zebras im Game Reserve Der Abschied von Südafrika ist mir schwer gefallen, vor allem von seinen unglaublich netten Bewohnern und den Menschen, die mir im Laufe der Zeit sehr ans Herz gewachsen sind.  Alles in allem war mein Aufenthalt auf dem afrikanischen Kontinent die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können und ich würde es wieder genauso machen. Die vielen Erfahrungen, seien es positive oder negative, die ich dort gemacht habe, haben mein Leben sehr geprägt und ich sehe viele Dinge jetzt mit anderen Augen. Und eines steht fest: Diese Reise war nicht meine letzte ins Land an der Südspitze Afrikas! 
Verena Reinert