Praktikum in Neuseeland

von Natascha

Praktikum in Neuseeland

An meinem ersten Tag im Praktikum in einem "Early Learning Centre" in Auckland in Neuseeland fielen mir zwei Dinge gleichzeitig auf. Zum ersten regnete es. Ich hatte eine vollkommene Fehleinschätzung vorgenommen, dass es auf "der anderen Seite der Welt" Hochsommer war. Es sollte sich herausstellen, dass Auckland die Stadt ist, in der es vier Jahreszeiten in einem Tag gibt. Regen, Sturm, knallende Sonne und bewölkt. Zum anderen lief ein vierjähriges Mädchen im Kleid und barfuß im Freien herum, obwohl sich die Wolken über uns regnerisch zusammenbrauten.Ich wollte eine Erzieherin fragen, ob dies okay sei. Nicht das sich das Kind erkältete. Doch es stellte sich heraus, es war vollkommen okay die Kinder ohne Schuhe und Strümpfe laufen zu lassen. Sie liebten es. Viele liefen barfuß über Stein, Gras und Sand. Worauf hingegen mit Genauigkeit geachtet wurde war es die Kinder zweimal täglich mit Sonnenmilch einzucremen. Das Ozonloch ist riesig. Die Sonnenmilch sollte mein Barometer werden, wie sehr mir die Kinder vertrauten. Als ich in der zweiten oder dritten Woche die Sonnenmilch das erste Mal in der Hand hielt war es ein hoffnungsloses Unterfangen. Die Kinder rannten vor mir davon. Meine andauernden Fragen: "Wie heißt du?" trugen dazu bei. Je mehr Zeit ich im Kindergarten verbrachte desto mehr gewöhnten sich die Kinder an mich und ich an sie. Bald kannte ich alle ihre Namen und durfte ihre Gesichter, Hände, Beine und Füße mit Sonnenmilch einschmieren. Ich half bei der Vorbereitung des "morning teas", des Mittagessens, sowie des "afternoon teas". Außerdem mussten die Betten vorbereitet, Schaukeln aufgehängt und Bücher vorgelesen werden. Am Ende des Tages musste diese alle wieder gemacht, abgehängt und weggeräumt werden. Meine Arbeitszeit war von neun bis 17 Uhr mit einer halbstündigen Pause und jeweils zwei zehn Minuten Pausen, damit ich auch meinen "morning tea" und "afternoon tea" haben konnte. Die Tage im Kindergarten waren anstrengend und haben unglaublich viel Spaß gemacht. Ich war in einem Kindergarten namens "Oma Rapeti". Dies bedeutet auf Maori "run rabbit". Die Kultur der Maori ist mit in das Curriculum des Kindergartens eingeflossen. In der Maori Kultur wird mit Essen nicht gespielt. Da zum Beispiel die Knete "Play Doh" Zutaten enthält, die man essen könnte, wird bei Oma Rapeti kein Play Doh verwendet. Darüber hinaus verfolgt das childcare learning centre die Philosophie von Emmi Pickler. Dis beinhaltete ich durfte den Kindern zeigen wie ein Fächer aus Papier zu basteln ist, aber ich durfte ihnen diesen nicht geben oder es für sie tun. Sie sollten es eigenständig für sich lernen. Auch war es neu für mich, wenn ein Kind hingefallen war, dieses Kind nicht gleich aufzuheben sondern zu schauen, was braucht das Kind grade? Möchte es eine Umarmung? Oder lieber einen Erwachsenen, der neben ihm sitzt und so Trost spendet. Oder vielleicht eher einen Spielkameraden, der dies tut? Zum Abschluss meines achtwöchigen Praktikums hat meine Chefin mich eingeladen zu einem Abschiedsessen. Dies war sehr lecker. Ich würde Euch erzählen was es war, doch kann ich mich nicht mehr an die Namen erinnern. Das Team im Kindergarten war allgemein super freundlich und waren immer offen für alle meine Fragen. Ich wurde in allem miteinbezogen und durfte Spiele vorschlagen oder mitkommen auf Ausflüge mit den Kindern. Auch nach der Arbeit fragten mich meine Kollegen, ob ich was mit ihnen machen wollte. So hatte ich bei meiner chinesischen Kollegin ein "sleep over". Vorher lud sie mich in ein chinesisches Restaurant ein und war auf der Mission mir essen zu bestellen, welches ich vorher noch nie hatte. So aß ich Fischeier (das Ei befand sich noch im gebratenen Fisch), ich hatte leider verstanden, der Fisch sei in Ei gebraten. Danach gab es Herzen von Hühnern und die Zunge einer Kuh. Eine meiner indischen Kolleginnen lud mich und eine Freundin auch zum essen ein. Ihre Mitbewohner kochten für uns vegetarisch und wir veranstalteten ein kleines Feuerwerk zu Ehren eines indisches Festes. Nach meinem Praktikum habe ich mit einer Freundin die Nordinsel bereist, bevor ich eine Woche nach Fiji geflogen bin. (Unbedingt machen!!! Von dort ist es praktisch "um die Ecke".) Anschließend habe ich die Südinsel alleine bereist bevor ich nach Australien geflogen bin und dann einen letzten Zwischenstopp in Singapur eingelegt habe.Neuseeland ist unglaublich toll. Die Menschen sind super freundlich, ich konnte das Englisch gut verstehen und so viel zu sehen und Neues zu entdecken macht unglaublich viel Spaß. Ich finde gut zu wissen, ich kann alleine reisen. Man lernt in Jugendherbergen immer wieder neue Leute kennen und es ist wahnsinnig toll, Erfahrungen zu teilen. Es ist allerdings auch schön, alles für sich alleine zu entscheiden. Eben ein zweischneidiges Schwert. Auf die Dauer kann reisen sehr anstrengend sein. ich würde definitiv empfehlen länger an einem Ort zu bleiben und sich zeit zu lassen, die Umgebung zu erkunden. So hat man nicht so ganz viele Eindrücke auf einmal zu verarbeiten, denn das macht müde. Eines meiner schönsten Erlebnisse war Paragliding in Queenstown. So über der Stadt zu schweben war einfach atemberaubend toll! Doch die Erlebnisse miteinander zu vergleichen ist schwer. Mit wundervollen Leuten auf einer Vulkaninsel wandern gehen eine Hafenrundfahrt zu genießen mit einem heißen Tee während man die Landschaft bestaunt oder in einer sogenannten "free walking tour" zu hören, wo der "Herr der Ringe" gedreht wurde, welche Hollywood Persönlichkeit in der Nähe ein Ferienhaus hat oder schnorcheln zu gehen auf Fiji und lauter blaue Seesterne zu sehen sind alles tolle Erlebnisse. Zum Schluss möchte ich noch zwei Dinge anmerken. Erstens wenn ihr abenteuerlustig seid macht es! Es wird nicht immer einfach und manchmal denkt man sich "ach nö", aber oft genug ist es halt "wie geil!" Von meinen Freunden und mir wurde eines unserer schnellsten Hobbies auf Instagram Fotos zu posten. (Die Landschaft von Neuseeland ist echt ein Traum! Da muss man den Rest eifersüchtig machen...hust...die Erlebnisse festhalten natürlich.) Und zum letzten: die Kekse in Neuseeland sind der Wahnsinn! Probiert unbedingt "Tim Tam" Kekse. Die originalen mit Schokolade ...oder die mit double chocolate. Ihr geht dann ja genug wandern(; Viel Spaß beim entdecken und reisen!