Stipendiatin Anastasia berichtet über ihren ersten Monat in den USA

von Anastasia B.

Stipendiatin Anastasia berichtet über ihren ersten Monat in den USA

Den Morgen des Abflug Tages kann man mit keinem anderen Morgen vergleichen. Man ist aufgeregt,voller Vorfreude,glücklich,nervös aber gleichzeitig auch traurig. Man beginnt, all die kleinen Dinge im Leben, die einen glücklich und zu dem Menschen machen, der man ist, viel mehr wahrzunehmen und zu schätzen. Dinge wie sein eigenes Bett und das Zimmer in dem man Jahre seines Lebens verbracht hat, der Schulweg, den man fast jeden Tag der Woche langläuft, das letzte Abendessen mit seiner Familie und die letzte Unterrichtsstunde mit seinen Freunden.

Die Wochen vor dem Abflug habe ich immer gedacht, dass sobald ich am Flughafen stehe und mich von allen verabschieden muss, ich realisieren werde, was für ein großer Schritt mein Auslandsjahr ist und wie anders mein Leben von nun an sein wird. Doch so war es nicht. Ich stand in der Schlange zum Check-In, war besorgt um die Kiloanzahl meines Gepäcks und hab gar nicht an all die Veränderungen gedacht. Als ich mich dann von meiner Familie und meinen Freunden verabschieden musste, liefen die Tränen. Meine Freunde haben mir kleine Geschenke mitgebracht und ich habe mich 10 Minuten von allen verabschiedet. Doch auch in dem Moment konnte ich es nicht realisieren.

Auf dem Flug nach New-York habe ich bereits viele anderer Austauschschüler kennengelernt und jeder hat seine Erfahrungen, Geschichten, Freuden und Ängste geteilt. Das Gefühl nicht die Einzige zu sein, die diese Herausforderungen annimmt und sich einfach traut ihr Leben neu zu erfinden, war eine große Hilfe und Erleichterung. Das Gefühlschaos das man als Austauschschüler hat, ist etwas, was zuhause niemand wirklich verstehen kann. Und Menschen zu treffen, die deine Ängste und Freuden teilen und vielleicht auch dieselben Fragen haben, ist ein unglaublich gutes Gefühl.

Der Flug nach New York fühlte sich nicht so lange an wie ich gedacht habe, doch der Jetlag war zu spüren. Als wir im Hotel angekommen waren, wollte jeder einfach nur schlafen. Doch die Tage darauf hat man den Jetlag nicht wirklich zu spüren gekriegt, da wir immer beschäftigt wurden.

New York war unglaublich! Wir hatten immer einen Workshop am Morgen, in dem wir Spiele gespielt haben, über viele Dinge informiert wurden und Fragen stellen konnten. Am Nachmittag haben wir dann die Stadt, die “niemals schläft”, erkundet. Mein Traum war es schon immer New York zu sehen und es war genauso wie ich es mir vorgestellt habe. Jedes Mal, wenn mich jemand fragt: “Wie war New York?” weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Es ist genauso wie in den Filmen. All die Lichter, Massen an Menschen und riesige Gebäude, neben denen man sich so klein wie eine Ameise fühlt - es ist atemberaubend! Wir waren auf dem “Top of the Rock”, also der obersten Plattform des Rockefeller Center und hatten von dort aus einen toller Blick über ganz New York City, wir hatten Dinner in dem Hard Rock Café, eine Tour vom Broadway bei der uns eine Menge Drehorte von Filmen gezeigt wurden, der Central Park, das Denkmal des 11. Septembers 2001, der Time-Square und eine Bootstour bei der wir die Brooklyn Bridge und natürlich auch die Freiheitsstatue gesehen haben.

Am Abflugtag wurden wir dann mit einem Bus zum Flughafen gebracht und. Ich hab mir große Sorgen um mein Gepäck gemacht, aber alles ist gut gegangen. Der Flug war sehr kurz und bevor ich auch nur darüber nachdenken konnte, was ich denn als erstes zu meiner Gastfamilie sagen könnte oder wie ich sie begrüße, stand ich bereits auf der Rolltreppe in Richtung Gepäck. Um zum Gepäck zu kommen, muss man in eine Bahn einsteigen, was mich total verwirrt hat. Ich wusste nicht wo ich hin musste also bin ich einfach einer Frau gefolgt. Als Ich die Rolltreppe runter gefahren bin, habe ich meine Gastfamilie sofort erkannt, allerdings standen sie mit dem Rücken zu mir, weil sie erwartet haben, dass ich mit der anderen Rolltreppe nach unten komme. Meine Schwester hat zwar in meine Richtung geguckt, hat mich aber nicht erkannt. Als ich dann von hinten kam, haben alle gelacht und mich umarmt. Es war ein wirklich schönes Gefühl. Meine LC hat sich vorgestellt und ist auch wieder gegangen, so dass ich nur noch mit meiner Gastfamilie da stand. Die ersten Minuten waren sehr komisch, weil niemand so recht wusste, was er sagen sollte. Sobald wir dann aber alle im Auto saßen, wurden alle lockerer. Als wir dann zuhause angekommen waren, war ich total überwältigt. Das Haus war sehr viel größer als es auf den Bildern schien und die Hunde waren total begeistert mich zu sehen. Ich hab mich von Anfang an total wohl gefühlt!

Zwei Tage nach meiner Ankunft hat meine Familie ein paar Leute aus der Schule zu einem Lagerfeuer bei uns zuhause eingeladen. Ich war total begeistert von der Idee, da ich dadurch bereits ein paar Leute kennen gelernt habe, bevor die Schule angefangen hat.

Die nächste Woche sind wir dann in den Urlaub gefahren. Wir waren für vier Tage an dem Lake Erie, einem der fünf großen Seen in Amerika. Es war wirklich schön, weil wir in einem ganz kleinen Ort waren, der einen sogenannten “Strip” hatte, also eine Straße auf der nur Geschäfte und Restaurants waren. Ich fand es toll, weil es total anders im Vergleich zur Großstadt war. Wir waren schwimmen, haben viele Fotos gemacht und Spiele gespielt, ich habe neues Essen probiert und wir haben uns mit ein paar Freunden getroffen und haben Minigolf gespielt. Der Urlaub hat mich und meine Familie nochmal näher gebracht.

An dem Wochenende war das sogenannte “Reenactment”. Das ist eine Nachstellung des zweiten Weltkrieges, bei der Freiwillige, einschließlich meines Gastvaters, das gesamte Wochenende über in Zelten schlafen und das Leben im Krieg so realistisch wie möglich nachstellen. Am letzten Tag gibt ist dann die Schlacht. Am Strand des Lake Eries kämpfen sie mit echten Waffen, die aber nicht geladen sind, Flugzeuge fliegen über die Schlacht, alle tragen die Uniformen und Bomben gehen hoch. Auch wenn nichts davon echt wahr ist, wirkte es sehr realistisch und war sehr laut. Es war eine tolle Erfahrung und mal was ganz anderes.

Nach dem Wochenende fing auch schon die Schule an. An meinem ersten Schultag war ich sehr aufgeregt. Auch wenn ich die Schule bereits vorher gesehen habe, weil ich meine Kurse gewählt habe, war ich sehr eingeschüchtert, da alles so neu und anders war. Das Schulsystem ist sehr anders als in Deutschland. Man wählt Kurse und bekommt für jeden dieser Kurse einen bestimmten “Credit”. Am Ende der Highschool muss man dann einen bestimmten “Credit” zusammen haben, um den Abschluss machen zu können. Man hat jeden Tag denselben Stundenplan und zwischen den Kursen habe ich immer nur drei Minuten Pause, um den Klassenraum zu wechseln. Man hat eine zugeteilte “Period”, also Stunde, in der man dann in die Cafeteria geht um sein Lunch zu haben. Mein Stundenplan sieht wie folgt aus: Creative Foods, Französisch, Biology/Anatomy, Amerikanische Geschichte, Amerikanische Literatur, Lunch, Algebra 2 und Gym.

An meinem ersten Schultag bin ich dann mit meiner Schwester in die Schule gegangen und war so nervös, dass ich kaum sprechen konnte. Zu dem Zeitpunkt wurde mir noch kein Spinnt zugeteilt, also bin ich sofort in die Cafeteria gegangen, in der man sich immer vor dem Unterricht trifft. Danach hatte ich so etwas Ähnliches wie einen Klassenrat, in dem wir einige Formulare bekommen haben. Meine Schule ist nicht besonders groß, was das Zurecht- und Freundefinden einfacher macht. Meine Lehrer habe ich bereits vor meinem ersten Schultag, bei dem “Open house”, kennengelernt. In jedem Kurs wurde ich von den Lehrern vorgestellt und alle haben mich sehr gut aufgenommen. Sehr viele Leute haben mir sofort die Hand gereicht und haben sich mit mir unterhalten. Da sehr viele von ihnen noch nie außerhalb Amerikas oder sogar ihres Staates waren, sind Austauschschüler ihre einzige Möglichkeit, etwas über die Welt da draußen zu lernen. In der ersten Woche hatten wir noch keinen richtigen Unterricht, deshalb waren die Kurse sehr einfach.

Mein allererster Lunch verlief sehr viel besser, als ich es erwartet habe. Dadurch, dass ich mit meiner Schwester auf einer Schule bin, hatte ich es sehr einfach. Ich habe mich einfach zu ihr und ihren Freunden gesetzt, die sofort mit mir geredet haben und mich sehr gut aufgenommen haben. In der letzten Stunde habe ich dann Gym, was bisher meine Lieblingsstunde ist, weil die Lehrerin ziemlich gut deutsch spricht. Dadurch habe ich eine tolle Verbindung zu ihr. Sobald ich eine Frage habe, weiß ich immer wo ich hingehen kann.

Nach meinem ersten Schultag kam der nächste und der dritte und irgendwann habe ich meine erste Schulwoche überstanden. An dem Freitag war dann das erste Football Spiel. Jedes Football Spiel hat ein bestimmtes Thema, nach dem sich dann die Schüler kleiden. Das Thema des ersten Spiels war “Neon”. Das war ein sehr aufregender Abend! Es war genau wie in all den Filmen. Alle Schüler sitzen in der “Student Section” und feuern gemeinsam mit den Cheerleadern die Spieler an. Football Spiele sind eine tolle Möglichkeit, Leute kennenzulernen und Freunde zu finden. Alle wollen den Sieg und alle feuern das Team an. Es ist unglaublich toll ein Teil davon zu sein!

Am Samstag war dann das erste Meeting mit der Austauschschüler Gruppe meines LC’s. Es war ein sehr schöner Nachmittag, weil man all die Leute kennen gelernt hat, die in der Nähe sind und genau dieselben Ängste, Fragen und Probleme haben. Außerdem habe ich einige Freunde gefunden, und habe dann mit zwei von denen eine Übernachtung gemacht. Wir hatten eine Menge Spaß!!! Am Sonntag haben wir mit der Gruppe einen Ausflug zu den Niagara Fällen gemacht. Es war atemberaubend! Ich wollte schon immer mal die Niagara Fälle sehen und ich war so froh, dass meine LC diesen Trip geplant hat. Wir haben die “Maid of the Mist” Tour gemacht, bei der wir mit einem Boot an den Niagara Fällen entlang gefahren sind und es war unglaublich! Wir sind alle nass geworden und man hat kaum etwas gesehen, weil wir so nah an sie rankamen, dass das Wasser, das auf das Wasser geplascht ist, uns die Sicht komplett genommen hat. Nachher sind wir noch direkt unter den Wasserfall gegangen und wurden von Kopf bis Fuß nass, weil das Wasser direkt auf uns gefallen ist. Erst da hat man so richtig gemerkt wie viel Wasser und Kraft diese Wasserfälle eigentlich haben. Es war eine tolle Erfahrung, weil es ein unglaubliches Gefühl von Freiheit war und ich finde in solchen Momenten des Lebens merkt man erst so richtig wie schön die Welt sein kann.

Und das war auch schon mein erster Monat in den U.S.A! Die Zeit vergeht so schnell und ich bin so dankbar für all die Erfahrungen die ich schon machen durfte. In dem nächsten Monat stehen schon eine Menge neuer Dinge an und ich freue mich schon sehr darauf!