Stipendiatin Anastasia berichtet über ganz neue Eindrücke in den USA

von Anastasia B.

Stipendiatin Anastasia berichtet über ganz neue Eindrücke in den USA

Der September war ein sehr aufregender Monat. Er hat damit angefangen, dass der Bruder meiner Gastmutter eine Familie Feier organisiert hat. Diese findet jedes Jahr mit dem Motto "Oktoberfest" statt. Die Amerikaner haben natürlich auch bestimmte Vorurteile gegenüber den Deutschen. Ich werde immer gefragt ob es denn stimmt, dass wir immer Lederhosen tragen, Bier trinken und Sauerkraut essen. Und natürlich stimmt es nicht, denn wir tragen Lederhosen meistens nur zum Oktoberfest und diejenigen die in dem Norden leben tragen sie eigentlich nie. Doch die meisten Amerikanischen Teenager und sogar Erwachsene wissen das nicht, da sie oft noch nie außerhalb Amerikas oder sogar ihres Staates waren. Daher muss man damit rechnen sehr viele Fragen gestellt zu kriegen, deren Antworten für einen selber selbstverständlich sind. Mich persönlich hat es immer schockiert wenn mich jemand gefragt hat ob wir Sport in Deutschland haben, oder ob ich jemals ein Iphone gesehen habe oder eine Coca Cola getrunken habe. Einmal wurde ich gefragt wo Deutschland liegt und als ich Europa geantwortet habe, hat es ihnen auch nicht weitergeholfen. Das mag in ganz Amerika unterschiedlich sein, aber ich wohne hier in einem ganz kleinen Ort und die Menschen wissen nicht sehr viel von der weiten Welt da draußen, sondern konzentrieren sich auf ihre kleine Welt. Deshalb darf man ihnen das auch nicht übel nehmen und es freut mich immer ihnen etwas von meiner Heimat zu erzählen oder zu zeigen und jeder ist immer sehr interessiert und stellt viele Fragen, was mich persönlich immer sehr glücklich macht.

Mein Local Coordinator und die Gastfamilien organisieren jeden Monat etwas mit der Gruppe der Austauschschüler in meinem Umfeld und diesen Monat hatten wir die Chance als Freiwillige zu helfen. Wir haben für drei Stunden in der "Second Harvest Food Bank" gearbeitet und haben zum beispiel Kartoffel aus Kisten in Säcke umgefüllt und sie dann gewogen oder verschiedene Getränke in Boxen umgepackt. Viele Menschen spenden Essen und die "Second Harvest Food Bank" und diese Organisation gibt das Essen dann an bedürftige, unter anderem Schüler, weiter. Es hat wirklich Spaß gemacht weil die ganze Gruppe der Austauschschüler zusammengearbeitet hat und nachdem wir fertig waren, sind wir alle mit einem lächeln nach hause gegangen. Ich kann jedem nur empfehlen in den USA etwas Freiwilligenarbeit zu machen, denn es gibt zahlreiche Möglichkeiten seine Hilfe anzubieten und man lernt neue Leute kennen.

Diesen Monat hat außerdem noch der Tanzunterricht in der Tanzschule meiner Gastmutter angefangen. Da ich schon seit langem Tanzunterricht nehme und nicht auf das Tanzen in den USA verzichten wollte, habe ich mich besonders gefreut als meine Gastmutter mir erzählt hat, dass ich gerne Tanzunterricht hier nehmen kann. Es gab wie damals vor der Schule auch in der Tanzschule eine sogenannt "Orientation", bei der man sich schon mal umschauen kann, seinen Stundenplan kriegt und die Chance hat mit seinen Lehrern zu reden. An dem Tag habe ich beschlossen erstmal bei meiner Gastschwester zuzugucken und ich habe sofort gemerkt, dass der Tanzunterricht hier sehr anders ist und sich der Tanzstil sehr von meinem unterscheidet. Doch ich habe beschlossen es einfach auszuprobieren und neues dazuzulernen. Und auch wenn ich vieles nicht kenne, probiere ich es immer einfach aus und das kann ich wirklich nur jedem ans Herz legen. Natürlich ist es etwas einschüchternd etwas neues und ungewohntes auszuprobieren und vielleicht ist man auch der einzige der das nicht kann, aber daran ist überhaupt nichts schlimm. Dafür ist das Auslandsjahr da! Um neues zu entdecken und auszuprobieren und wie die Amerikaner es sagen "to get out of your comfort zone." Um mir die Angst etwas zu nehmen, hat meine Gastfamilie die Mädchen mit denen ich Tanzunterricht habe, zu einer Übernachtung bei uns eingeladen. Wir hatten eine Menge Spaß und das hat mir wirklich geholfen, weil ich sie dadurch schon mal etwas kennenlernen konnte und dann ein paar bekannte Gesichter am ersten Tag hatte.

Als nächstes stand der Fototag in der Schule an. Um ehrlich zu sein hatte ich da etwas Angst vor, da man ja aus all den Filmen die furchtbaren Fotos kennt, in denen die Schüler nicht bereit waren und das Foto dann trotzdem im Jahrbuch gelandet ist. Genauso war es bei mir auch. Ich war zwar bereit aber an meiner Schule in Deutschland setzten wir uns immer auf einen Stuhl und dann wird bis drei gezählt. Doch in den USA läuft das etwas anders ab. Mir wurde gesagt das ich mich auf die Markierung stellen und meine Hand auf die Hüfte legen soll, meinen Kopf nach rechts drehen und dann aber mit den Augen in die Kamera gucken soll. Nachdem ich das dann endlich geschafft habe, wurde mir gesagt das ich die Hand an meiner Hüfte etwas tiefer nehmen soll. Am ende war meine Hand unten an meinem Knie und ich habe mich total verrenkt und konnte garnicht mehr richtig lächeln und während ich darüber nachgedacht habe wie ich wohl gerade aussehe, wurde das Foto geschossen.Ich war sehr froh als mir gesagt wurde, dass es noch einen zweiten Fototag gibt, denn jetzt war ich vorbereite. Aber dieser Tag zeigt nochmal wie ungewohnt und anders alles ist und das man sich wirklich gar nicht vorbereiten kann. Es wird immer etwas peinliche Situationen geben, in denen man etwas nicht kennt oder versteht oder etwas komplett falsch macht, aber das ist überhaupt nicht schlimm denn mit der Zeit passt man sich immer mehr an und lernt dazu.

Diesen Monat gab es auch noch eine Hochzeit zu feiern. Es war eine Herbsthochzeit und da wir hier auf dem Land leben, war es besonders schön. Die Hochzeit war sehr anders und ich war total froh eine typische Hochzeit in Ohio zu erleben. Die Braut und alle Brautjungfern haben Cowboystiefel getragen und die Zeremonie war in einer Scheune. Es war sehr familiär und wie es sich hier gehört gab es einen riesigen Tisch voller Cookies. Ich habe noch nie so viele Cookies gesehen!

Doch das mit Abstand wichtigste das diesen Monat passiert ist, ist Homecoming.

Jeden Morgen hat meine Schule die sogenannten “Morning Announcements”, in denen uns immer mitgeteilt wird was an dem Tag so ansteht und was in der Woche so passieren wird. In der ersten Septemberwoche haben wir die "Homecoming Attendants" gewählt. Homecoming ist ein Schulball und jedes Jahr wird eine Prinzessin aus jedem Jahrgang und drei Prinzessinnen aus dem Abiturienten Jahrgang gewählt. Jeder Jahrgang wählt für seine Prinzessin. Dann wurden nächste Woche in den Morning Announcements die Prinzessinnen verkündet. Für die Juniors, also die Elftklässler, war ich die Prinzessin! Ich war wirklich total glücklich, nervös und es war eine große Ehre. Der einzige Haken war, dass ich einen Jungen als "Escort" finden musste, der mich dann begleiten würde. An sich wäre das kein Problem gewesen, doch es war meine zweite Schulwoche und ich kannte noch fast keinen. Ich habe dann Wochenlang darüber nachgedacht wen ich denn fragen könnte und hatte dann das Glück das mich ein Junge zum Ball gefragt hat. In den USA gibt es den sogenannten "Promposal" für den sich die Jungs eine meistens sehr kreative und clevere Art ausdenken mit der sie dann das Mädchen zum Ball fragen. Ich wurde mit einer Weltkugel und dann einem kleinen Brief darauf gefragt und alle um mich herum haben sich total für mich gefreut. Es war ein wirklich tolles Gefühl! Nachdem meine Gastmutter, meine Gastschwester und ich dann 6 Stunden im Einkaufszentrum verbracht haben, haben meine Gastschwester und ich dann unser Kleid gefunden. Die Woche vor dem Ball ist die sogenannte "Spirit Week" in der wir uns jeden Tag nach einem bestimmten Motto kleiden. Einige Schüler nehmen das wirklich sehr ernst und kleiden sich total verrückt und lustig um den Preis für das beste Kostüm zu gewinnen. Am ende der Spirit week gab es dann ein Lagerfeuer, bei dem die Cheerleader und die Band etwas vorgeführt haben und die "Homecoming Attendants" offiziell vorgestellt wurde. Am Freitag war dann das Homecoming Football Spiel, bei dem alle Prinzessinnen und ihre Begleitungen einzeln an dem Publikum entlang gelaufen sind und vor all den Familien und anderen Zuschauern vorgestellt wurden. Danach wurde eine der drei Prinzessinnen aus dem Abiturienten Jahrgang gekrönt und alle anderen Prinzessinnen haben eine etwas kleinere Krone bekommen. Nachdem dann ein paar Gruppenbilder von allen Prinzessinnen und deren Begleitungen gemacht wurden, sind wir alle in die "Student Section" gegangen, was eine bestimmte Abteilung im Publikum für die Schüler ist und haben uns das Football Spiel angeguckt. Alle wollten ein Foto mit mir machen und alle haben so nette Sachen gesagt und wie froh sie sind das ich gewählt wurde. Das war einer der schönsten Abende bisher.

Homecoming ist hier ein sehr wichtiger Tag, für den sehr viel Geld ausgegeben wird und sogar Stylisten bestellt werden. Die Cousine und eine Freundin meiner Gastmutter haben unsere Frisuren und das Makeup gemacht und dann sind wir alle mit unseren Dates essen gegangen. Dannach sind meine Begleitung und ich in die Schule gefahren und haben dann ein paar Bilder mit dem Fotographen gemacht. Bevor alle auf die Tanzfläche durften, sind nochmal alle Prinzessinen eingelaufen und wurden nochmal alle vorgestellt. Als dann alle auf die Tanzfläche gegangen sind, habe ich einfach mit ganz vielen Freunden getanzt, bis mir die Füße wehgetan haben. Es hat so viel Spaß gemacht, auch wenn es ganz bestimmte Tänze für einige Lieder gab die ich natürlich nicht kannte, hab ich einfach mitgemacht. Homecoming war eines der Dinge auf die ich mich hier am meisten gefreut habe und als ich dann auch noch eine der Prinzessinnen wurde, hat sich so ein kleiner Mädchentraum von mir erfüllt.