Stipendiat Dominic berichtet über seine ersten Monate in den USA

von Dominic S.

Stipendiat Dominic berichtet über seine ersten Monate in den USA

„Ein Auslandsjahr lässt eine unschöne Lücke in deinem Lebenslauf“ oder „Man verpasst eine wichtiges Schuljahr in Deutschland“ sagen viele. Aber ganz im Gegenteil, ein Auslandsjahr ist eine fantastische Möglichkeit um unvergessliche Erfahrungen zu sammeln, sich drastisch positiv zu entwickeln und seine sprachlichen als auch sozialen Fähigkeiten extrem zu verbessern.

Ich bin jetzt schon zwei Monate in den Vereinigten Staaten und meine Erfahrung im Ausland ist bis jetzt überwältigend. Man erlebt so viel Neues und sammelt unglaublich viele Erfahrungen. Seine Familie, Freunde und seine Heimat für ein ganzes Jahr hinter sich zu lassen ist nicht einfach, aber ich denke immer daran, dass der Effekt und die Erfahrung es wert sind. Außerdem wurde mir die einmalige Erfahrung durch ein Stipendium ermöglicht und das schätze ich sehr.
Meine ersten Tage in den USA habe ich in New York mit all den anderen Austauschschülern, die ihre Reise angetreten haben, verbracht. Die 3 Tage dort waren ein perfekter Start in mein Auslandsjahr, genauso wie eine gute Möglichkeit sich an die neue Sprache heran zu tasten und die große Aufregung zu senken. New York ist eine faszinierende Stadt und sie mit eigenen Augen zu erleben ist überhaupt kein Vergleich zu Bildern. Ich komme aus Frankfurt, was bekannt für seine Skyline ist, jedoch ist diese längst kein Vergleich zu der in New York.
Nach den sogenannten „Orientationdays“ ging es dann weiter nach North Carolina, Charlotte zu meiner Gastfamilie und hier bin jetzt schon mehr als zwei Monate. In den vergangenen zwei Monaten habe ich schon so extrem viel erlebt und erfahren, dass es fast schon schwer ist sich an alles auf einmal zu erinnern.
Trotzdem kann ich mich noch ganz genau an meinen ersten Schultag erinnern, welcher bis jetzt unerwartet der schlimmste Tag hier war. Man fühlt sich wie ein kleiner Fisch in den überwältigenden sieben Weltmeeren, jedoch ist jeder Anfang schwer und das wichtigste ist sich selbst Zeit zu geben und sich nicht zu stressen. Die Schule in Deutschland und American Highschool sind zwei verschiedene Welten. Man kann sie wirklich nicht vergleichen, aber beide haben ihre Vorteile und Nachteile. Zum Beispiel habe ich jeden Tag nur eine zwanzig minütige Lunch Pause und das ist die einzige Pause pro Tag. Anfangs bin ich gar nicht damit klar gekommen, weil man sich beim Essen beeilen muss und keine Zeit hat die Pause mit anderen zu genießen, aber man gewöhnt sich daran. Mittlerweile habe ich mich auch an alles andere neue und überwältigende in der Schule gewöhnt und Routine in den Tag gebracht. Dazu macht es einfach super viel Spaß hier zu Schule und zu gehen und Möglichkeiten zu nutzen die es in Deutschland nicht gibt. Die Vielfalt an Fächern und außerschulischen Aktivitäten ist riesig und man bereichert sich an Erfahrungen und vielen neuen Fähigkeiten. Ich belege zum Beispiel Fächer wie Anatomie und Psychologie oder lerne Gitarre zu spielen und ich finde es einfach sehr interessant. Daneben habe ich aber auch teils sehr schwere Fächer gewählt, die mich wirklich herausfordern. In Mathe und Englisch belege ich die schwersten Kurse und frage mich manchmal selbst, ob es denn tatsächlich gut war so anspruchsvolle Fächer in meiner zweiten Sprache zu wählen. Dazu habe ich auch noch einen hohen Spanischkurs gewählt, was Umstellung fordert, denn jetzt muss ich immer in englisch nach spanisch und umgekehrt denken, anders als in Deutschland. Jedoch denke ich mir im Großen und Ganzen, dass ich die Entscheidung am Ende des Jahres nicht bereuen werde und es mir viele Vorteile bringen wird. Immerhin stecke ich viel Mühe und Anstrengung in meine schulischen Leistungen und bin daher auch sehr zufrieden mit meinen Ergebnissen. Meiner Meinung nach hat man hier auch viel mehr die Möglichkeit seine verschiedensten Interessen zu verfolgen. Darüber hinaus ist es großartig den sogenannten “school spirit” als komplett neue Seite der Schule kennenzulernen. Die Schüler teilen einen gemeinsamen Stolz und identifizieren sich tatsächlich mit ihrer Schule, was es mehr als zu einem Ort der Bildung macht. Eine unvergessliche Gelegenheit um diese Verbundenheit mit seiner Schule mitzuerleben sind natürlich die Heim Football Spiele. Die Atmosphäre auf den Spielen ist unbeschreiblich, jeder tanzt und teilt eine extrem positive Stimmung in der Hoffnung, dass seine Schule gewinnt. Ich habe jedes einzelne Football Spiel voll und ganz genossen und leider ist die Saison auch schon vorbei. Abgesehen davon ist auch die Beziehung zwischen Schülern und Lehrern hier total anders. Man behandelt seinen Gegenüber nach einer viel weniger förmlichen und mehr menschlichen Art. Man stellt sich fast schon auf eine gleiche Ebene, welche jedoch immer noch Autorität einschließt und das gefällt mir.
Neben der Schule ist selbstverständlich meine Gastfamilie auch ein sehr wichtiges Thema. Jedenfalls verstehe ich mich sehr gut mit meiner Gastfamilie mit der ich zusammen lebe und die mir ein zweites Zuhause für 10 Monate gibt. Ich lebe zusammen mit meiner Gastmutter, meinem Gastvater und ich habe eine Gastbruder, im selben Alter wie ich, welcher auch auf die gleiche Schule geht. Wir haben zwei süße Hunde und sogar einen Kanarienvogel, was der Atmosphäre zu Hause noch mehr Leben einhaucht. Obwohl ich manche Privilegien aus Deutschland hier nicht genießen kann und es ab und zu Differenzen gibt bin ich sehr zufrieden mit meiner Gastfamilie und schließlich gehört das auch dazu. Es gibt unzählige kulturelle als auch soziale Unterschiede und ein Auslandsjahr ist eine hervorragende Möglichkeit über sich selbst hinaus zu wachsen. Wir gehen zum Beispiel jeden Sonntag in die Kirche und anfangs war ich nicht sehr überzeugt davon, jedoch ist Kirche hier etwas total anderes. Hier ist die Kirche nicht zu sehr konzentriert auf den Glauben an sich, sondern die Gemeinschaft und das Beisammensein sind ebenfalls zentrale Werte. Dazu ist sie auch eine gute Möglichkeit um soziale Kontakte zu machen und in der Anfangsphase Sicherheit in der Sprache zu bekommen. Die Gemeinde hier hat mich sofort mit offenen Armen empfangen und die Leute sind einfach super nett und warmherzig. Zudem unternimmt meine Gastfamilie sehr viel mit mir, was ich nicht als selbstverständlich ansehe und deshalb umso mehr schätze. Schon in meinen ersten Tagen sind wir mit dem Boot raus auf die vielen Seen in der Umgebung gefahren. Nebenbei ist North Carolina ein unheimlich schöner Staat mit vielen Seen, den darum liegenden Wäldern, dann auch noch den Berglandschaften und den sehr schönen Dämmerungen und Himmel für die es bekannt ist. Jedoch einer meiner lieblings Ausflüge bis jetzt war der nach Asheville. Wir haben einen vorherigen Austauschschüler meiner Gastfamilie, der ganz in der Nähe auf ein College geht, besucht und haben den restlichen Tag zusammen in Asheville verbracht. Mir hat es dort einfach so gut gefallen, dass es einer meiner Lieblingsstädte geworden ist. Asheville ist eine moderne als auch künstlerische Stadt, ein Ort der idyllischen und angenehmen Atmosphäre.
Schließlich ist eine der wichtigsten Lektionen die, dass man lernt die kleinsten Dinge im Leben zu schätzen. Man ist von Beginn an, besonders in der Schule, auf sich allein gestellt und ein Niemand. Da weiß man jedes einfache Lächeln, Kompliment oder Dankeschön wert zu schätzen, ebenso wie die Privilegien die man in der Heimat genießen durfte. Zudem fängt man auch an seine Eltern in vielen Situationen besser zu verstehen und nachzuvollziehen. Ich selbst eigene mir viel mehr Empathie gegenüber anderen Personen an und lerne, dass man sich immer auf das positive in etwas fokussieren sollte und nicht das negative.