Eine abenteuerliche Zeit auf Bali

von Yasmin

Eine abenteuerliche Zeit auf Bali

Nun bin ich seit vorgestern Abend wieder in Berlin und ich muss sagen, dass ich am liebste den nächsten Flug zurück nach Bali nehmen möchte um meine Schulklasse und meine Freunde wieder zu sehen.
Als ich in London den Platz im Flugzeug eingenommen habe der für die nächsten 12 Stunden der meinige war, fing ich unweigerlich an meine Entscheidung allein nach Bali zu fliegen zu überdenken. Fragen, ob es die richtige Entscheidung war oder ob ich der großen Reise überhaupt gewachsen war drängten sich mir auf. Aber als der große Doppeldecker, bereit für das Take-Off über die Startbahn raste, verschwanden die Zweifel und die Unsicherheit wie im Fluge, denn das Gefühl, eine schöne Zeit auf Bali zu haben überwog die negativen Gefühle.
Nach ungefähr einem Tag, mit inkludierter Lay-Over-Zeit, kam ich glücklich aber erschöpft auf Bali an. Diverse Mitarbeiter von Greenlion erwarteten die angereisten Volunteers am Flughafen, deswegen ging das Abholen vom Flughafen relativ schnell.
Am Abend des 08.07 kamen die weiteren Volunteers und ich im kleinen Örtchen Penestanan Kaja an. Gemeinsam mit einer Freundin, welche ich am Flughafen in Denpasar kennengelernt habe, betrat ich das Guru Haus, das für die kommenden 3 Wochen unser neues Zuhause sein sollte.
Wir lebten die nächsten Wochen direkt im "Hinterhof" einer balinesichen Familie. Ich war total überrascht, als ich herausfand, dass das große orange Gebäude auf ihrem Hof kein persönlicher Tempel, sondern ihr Wohnzimmer ist.

Auf dem Flug nach Bali habe ich mich mental darauf eingestellt für 3 Wochen hauptsächlich Englisch zu sprechen, aber bereits am Abend meiner Ankunft bemerkte ich, wie viele Deutsche eigentlich auf Bali sind. In der ersten Woche teilte ich mir mein 4-er Zimmer mit drei weiteren deutschen Mädchen aus dem Süden Deutschlands. Worüber ich im nachhinein zugegebenermaßen sehr froh bin, denn gerade in der ersten Woche war es eine große kulturelle Umstellung.
Vor dem Beginn der Reise als ich das Pre-Departure Package in meinen Händen hielt und ich es vor Aufregung kaum erwarten konnte endlich im Flugzeug zu sitzen, las ich mir nur flüchtig den beigepackten Zettel über den Kulturschock durch. Eigentlich bin ich aufgeschlossen gegenüber fremden Kulturen und bin an ihren Bräuchen und Glauben interessiert, trotz dessen muss ich zugeben, dass ich, gerade bei dieser Reise, diesbezüglich leider etwas unvorsichtig und vielleicht auch ignorant war.

Vor ungefähr 9 Jahren bin ich mit meinem Papa für einen Monat durch Thailand gereist, deswegen bin ich mit der Einstellung, dass ich das alles schon gewohnt bin und mich auch das heruntergekommenste Plumpsklo nicht abschrecken kann nach Bali gekommen. Rückblickend muss ich sagen, dass es definitiv die falsche und die dümmste Einstellung war, die ich hätte haben können haha :D (auch wenn sich wirklich vieles ähnlich ist).
Ich hatte nämlich einen ganz schön großen Kulturschock, aber ich hab mich zum Glück ziemlich schnell eingelebt und konnte die Zeit auf Bali dann voll und ganz genießen. Natürlich hat auch die kulturelle Einführungswoche dafür gesorgt, dass das Einleben einem leichter fällt und man leichter Freunde findet mit denen man am Wochenende spannende Trips unternehmen kann.

Nach der ersten Woche konnte ich es kaum noch erwarten, dass das Wochenende vorübergeht und ich endlich meine Schulklasse kennen lerne. Am darauffolgenden Montag war es dann soweit und ich fuhr gemeinsam mit Karen, meiner Teaching Partnerin und den weiteren Volunteers zu unserer Schule. Karen und ich unterrichteten eine 5 Klasse, d.h. die Kinder waren meistens 10 oder 11 Jahre alt. Es hat mich so glücklich gemacht zu sehen, dass die Kinder sehr interessiert daran waren etwas neues zu lernen und vor allem war ich überrascht, wie hilfsbereit sie untereinander waren. Sobald ein Kind etwas nicht verstanden hat, waren gleich 5 weitere zur Stelle und haben ihm ihre Hilfe angeboten.
Was mir eher negativ an den Kindern aufgefallen ist, dass sie kleine Perfektionisten sind. Sie sind sehr produktiv und vor allem schnell, wenn man einen Fehler in ihren Aufzeichnungen bemerkt hat, dann verbessern sie ihn so lange, bis es wirklich richtig ist. Grundlegend ist diese Eigenschaft nichts schlechtes, aber in einer anderen Klasse haben häufig Kinder geweint, wenn sie einen Fehler hatten.
Das tat mir immer leid, aber dafür haben sie sich um so mehr gefreut, wenn sie es allein gemeistert haben ihn zu berichtigen. Süß war es auch, dass sie an jedem Tag in der Pause Duck Duck Goose spielen wollten. Ich kann mich daran erinnern, wie ich total aufgeregt bei AIFS angerufen habe, weil ich die News von Mount Agung gehört habe. Raten Sie mal wer Mount Agung von seiner Schule aus beobachten konnte?
Richtig, und ich muss sagen, dass es ein sehr schöner Anblick war und ich es bestimmt bereut hätte, wenn ich wegen dem Vulkan nicht gefahren wäre. Aber ich hab auch erst am vorletzten Tag von meinem Coordinator Dondon erfahren, dass es DER Vulkan ist.

Zusammenfassend kann man sagen, dass ich eine schöne und abenteuerliche Zeit auf Bali hatte und ich am liebsten noch länger dort geblieben wäre, weil ich mich zum Schluss wie zu Hause gefühlt habe. Ich habe zwar jedes Wochenende etwas unternommen und hab auch mal einen Abstecher zu der Nachbarinsel Nusa Penida gemacht, aber trotzdem hab ich das Gefühl noch nicht alles von der Insel gesehen zu haben und das 3 Wochen viel zu wenig sind, auch wenn es einem anfänglich sehr lang vorkommt.
Zu der schönen und unvergesslichen Zeit hat auch Dondon beigetragen, denn er hat immer versucht die Volunteers bei allem zu unterstützen und alle Wünsche möglich zu machen. Jetzt höre ich mit dem Schwärmen über meine Schulklasse und Bali, der Insel mit der vielfältigen Natur auf.

Wie in der vorherigen Email erwähnt bedanke ich mich auch bei Ihnen dafür, dass sie immer ein offenes Ohr hatten. Und natürlich für Ihre tolle Organisation, AIFS bleibt mir auf jeden Fall positiv in Erinnerung. Vielleicht höre ich ja mal wieder von Ihnen, denn ich werde mich demnächst, wenn ich meinen Führerschein habe, bei AIFS für das Au Pair Programm anmelden.
Ich könnte noch viele weitere Eindrücke und Erinnerungen festhalten, aber dann wäre die Email vermutlich zwei Seiten lang :)

Mit freundlichen Grüßen
jetzt wieder aus Berlin
Yasmin