Meine Zeit in Südafrika

von Julia Hens

Meine Zeit in Südafrika

Hallo,
jetzt bin ich seit knapp einer Woche wieder zurück in Deutschland nach 10 Wochen Südafrika und habe mich so langsam wieder eingelebt. Das war eine ziemliche Umstellung nach so langer Zeit.


...Südafrika und vor allem Kapstadt hat mich sehr beeindruckt. Die Menschen dort sind viel freundlicher und offener als hier in Deutschland und es ist einfach traumhaft schön dort. Es sind 100 Meter von unserem Volunteer Haus zur Promenade, wo ich fast jeden Abend schöne Sonnenuntergänge beobachtet habe. Die Einführungswoche war sehr interessant und hat Spaß gemacht, angefangen beim Stadtrundgang, Robben Island, über Winetasting zu den Townchips. Bereits in der ersten Woche fühlte ich mich wie zuhause und super wohl.
Am 2. Wochenende hatten wir direkt die Peninsula Tour zum Kap der guten Hoffnung und Boulders Beach. Das hatte mich echt sehr beeindruckt. So was tolles wie Cape Point hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Einfach traumhaft...

Meine Gastfamilie habe ich zwischendurch allerdings gewechselt. Das war weniger schön aber dafür war danach dann alles super. Insgesamt habe ich eigentlich fast nur positive Erfahrungen gesammelt und meinen Horizont um einiges erweitert. Die Arbeit in der Schule hat mir sehr viel Spaß gemacht auch wenn es echt anstrengend war. 95% der Kinder stammen aus den Townchips, die direkt um die Schule rum liegen. Sie haben überhaupt keinen Respekt voreinander, gegenüber Lehrern und auch vor ihren Eltern nicht. Da wird geklaut, geschlagen und geschrien. Aber es sind total tolle Momente, wenn man morgens den Schulhof betritt und dann 10 Kids auf dich zugelaufen kommen und dich knuddeln :-) Anfangs habe ich mir das alles ja noch gefallen lassen aber nach einer gewissen Zeit haben sie mich auch als eine Lehrerin akzeptiert und machten auch was ich sagte. Mir persönlich war es wichtig den Kids etwas von mir persönlich mitzugeben und etwas Abwechslung in den Schulalltag zu bringen. Daher habe ich mit ihnen Armbänder und Ketten aus Perlen gebastelt, ihnen das Deutsche "Vater unser" beigebracht (was sich natürlich niemand merken konnte, aber alle haben mir immer schön nachgesprochen) und ein paar Tänze und Lieder haben sie gelernt. Das hat mir so Spaß gemacht und die Kinder hatten auch total Spaß und waren mit vollem Eifer dabei. Habe allerdings nur 5 Wochen gearbeitet, weil dann Schulferien waren und ich hab alles echt total vermisst die ersten Tage. Einige Kinder haben echt angefangen zu weinen als ich gegangen bin. Habe noch Kontakt zu der Klassenlehrerin und sie hat mir schon erzählt, dass die Kids nach Ferienbeginn direkt nach mir gefragt haben. Ich hab die echt alle ins Herz geschlossen auch wenn ich sie manchmal hätte auf den Mond schießen können. Einen Jungen habe ich sogar in seinem Zuhause in den Townchips besucht. Die Hütte lag direkt neben der Schule und es war voll interessant, mal so eine wirkliche Townchiphütte zu sehen, da ich persönlich die Townchip Tour in der ersten Woche etwas gestellt fand. Hier war ich mitten im Leben und hab mich sogar mit den Eltern unterhalten. Das sind Erlebnisse, die werde ich nie vergessen.

In den Schulferien bin ich eine Woche die Gardenroute entlang bis Porth Elizabeth (kann ich jedem nur empfehlen, der auch etwas mehr als nur Kapstadt und Umgebung sehen will) und bin eine Woche in Namibia gewesen. Habe also auch noch ein anderes Land kennengelernt. Letztendlich weiß ich fast gar nicht, was mich mehr beeindruckt hat weil es zwei völlig unterschiedliche Landschaften waren aber Namibia ist einfach noch ursprünglicher. Ich habe mich in Kapstadt nicht wie in Afrika gefühlt sondern hätte auch in Köln oder Berlin sein können. Halt einfach Großstadtfeeling...Hatte mir das Leben dort nicht so europäisch vorgestellt. Was die Kriminalität betrifft, muss ich sagen, ich selber habe sie nicht so krass erlebt, wie sie in Reiseführern oder Dokumentationen immer geschildert wird aber sie ist halt vorhanden, das sagt auch jeder Südafrikaner selber über das Land, ist also nicht zu unterschätzen aber wenn man sich an ein paar grundlegende Dinge hält, geht das schon. Mit der Zeit bekommt man einfach ein Gefühl dafür, was man tun und was man lassen sollte.
Meine erste Fahrt im Minibustaxi werde ich auch nie vergessen. Anfangs wollte ich da gar nicht mit fahren. War mir einfach zu gefährlich, nachdem was ich immer gelesen hatte aber mit der Zeit wurde es einfach zur Gewohnheit und es ist einfach die günstigste Art und Weise von A nach B zu kommen. Tagsüber hat man da auch nix zu befürchten. Bin sogar allein von der Schule nach Hause gefahren. Aber abends haben wir uns immer ein normales Taxi genommen. Generell ist jede Fahrt mit einem Minibustaxi ein neues Erlebnis. Vor allem wenn die bis unters Dach vollgestopft sind :-D
Die ganze Zeit über hatte ich kein Heimweh, hab niemanden vermisst und wollte letztendlich noch gar nicht weg. Hätte locker noch ein paar Monate dort bleiben können und ich war auch definitiv nicht zum letzten Mal dort. Außerdem würde ich so eine Freiwilligenarbeit direkt wieder machen. Diese Zeit hat echt mein Leben geprägt und vor allem die Situation in der Schule hat mir doch gezeigt, wie gut es die Kinder bei uns doch haben. Vor allem gilt mein Respekt den Lehrern, die sich jeden Tag mit den Kindern rumplagen müssen. Das ist kein leichter Job und ich weiß mittlerweile, weshalb ich mich damals gegen einen sozialen Job entschieden habe :-)


Vielen Dank, dass ihr mir diesen Traum verwirklicht habt!!!

Liebe Grüße
Julia