Mein Auslandsjahr nach Irland

von Natalie

Mein Auslandsjahr nach Irland

Ende August 2015 fing alles an, das letzte Zeug für die Reise besorgen, alles schlussendlich in den Koffer packen, realisieren, dass man seine Familie und Freunde für sehr lange 9 ½ Monate nicht mehr sehen wird. Die Orientierungstage in Dublin waren eine super Einstimmung, besonders wenn man vorher noch nie in Irland war. Am Mittwoch ging es dann von Dublin mit dem Aircoach Bus nach Cork, der inoffiziellen Hauptstadt Irlands ;-) Meine Gastmutter hat es leider nicht geschafft, mich abzuholen, aber dafür hat mich die Gastmutter meiner Freundin abgeholt und uns beide nach einer kleinen Stadtrundfahrt zu unseren jeweiligen Gastfamilien nach Passage West, einer Kleinstadt eine halbe Stunde mit dem Auto von Cork entfernt, gebracht. Der erste Kontakt mit meiner Gastmutter war sehr freundlich, generell sind irische Menschen sehr herzlich und führen erst einmal Smalltalk mit dir. Meine italienische Gastschwester, Gaia, die am Tag vorher angekommen ist, hat mich sofort mit einer dicken Umarmung begrüßt und war auch ganz aufgeregt. Nachdem ich erstmal ein Sandwich zur Stärkung bekommen habe, sind wir gleich schon wieder los, um den Rest des Fußballspiels des Gastbruders meiner Freundin zu gucken. Auf dem Fußballplatz habe ich mich gleich wie zu Hause gefühlt, weil ich schon seit 9 Jahren Fußball spiele und es echt super gerne mache. Nachdem wir leider bloß noch die letzten 5 Minuten gesehen haben, sind wir wieder nach Hause gefahren und Gaia und ich haben Abendbrot gegessen, ohne unsere Gastfamilie, weil es schon ein bisschen später war und sie schon gegessen hatten. Die letzten Ferientage haben wir hauptsächlich einfach nur Karten gespielt, sind spazieren gegangen oder haben Filmabende gemacht mit einigen anderen Austauschschülern. Ich denke es ist wirklich einfacher, am Anfang noch eine andere Gastschwester zu haben, weil man jemanden hat der genau in der gleichen Situation steckt, die gleiche Gastfamilie hat und die gleichen Probleme teilt. Das nächste Aufregende war, die Schuluniform zu kaufen. Es gibt immer für mehrere Schulen einen Laden, der die Schuluniformen verkauft. Es hat wirklich Spaß gemacht, alle verschiedenen Einzelteile der Uniform (Rock, Hemd, Pullover, Poloshirt, Jogginganzug) das erste mal anzuprobieren und die richtige Größe zu finden. Außerdem mussten wir noch schwarze Schulschuhe und ein paar Strumpfhosen besorgen. Der erste Schultag dann war auch echt aufregend. In der ersten Stunde wurden wir Austauschschüler mit unserem Hausaufgabenheft, dem Stundenplan und allen anderen nützlichen Informationen (keine Handys erlaubt, Hausaufgabenheft einmal wöchentlich von den Gasteltern unterschreiben lassen) ausgestattet. Im Unterricht mussten wir uns der Klasse vorstellen, aber sonst waren wir erstmal ruhig und haben versucht einen Überblick über die vielen neuen Leute zu gewinnen. Alle Lehrer waren extrem freundlich und haben uns bereitwillig alles nochmal langsam erklärt oder unsere Fragen zum Material beantwortet. Es ist nicht schlimm, wenn man etwas nicht gleich versteht, jeder Ire wiederholt gerne was er grad gesagt hat noch ein- oder zweimal, man muss nur danach fragen. In den ersten Wochen fiel es mir noch etwas schwer, in der Schule mitzukommen und dem Unterricht zu folgen, besonders in Fächern, die ich vorher nie hatte, und wo ich ungefähr die Hälfte der Wörter nicht kannte, wie in Accounting (so etwas wie Buchhaltung) und Engineering (Metallarbeit), aber gerade das macht alles so spannend, aufregend und interessant. Man muss sich schon Mühe geben, um am Anfang den Anschluss zu finden, aber nach einer gewissen Zeit gewöhnt man sich an alles. Das Thema Freunde finden ist schon ein anderes; also auf jeden Fall ist man erstmal mit den anderen Austauschschülern befreundet, das sind so die Leute mit denen man am Anfang die meiste Zeit zusammen ist,was auch logisch ist, weil man in der gleichen Situation ist. Auch am Wochenende haben wir zusammen viel unternommen, besonders die Gegend erkundet, mit der Fähre ins touristische Cobh oder zum kleinen Blackrock Castle. Die irischen Jugendlichen sind genau wie alle Iren sehr herzlich und freundlich. Man hat immer jemanden, mit dem man sich in den Pausen unterhalten kann, man findet sofort Anschluss, man muss sich allerdings auch trauen mal den ersten Schritt zu machen und auf die anderen zuzugehen und wenn man sich am Anfang die ganzen Namen nicht merken kann, einfach immer nachfragen!! Nach einer Woche Eingewöhnungsphase in der Schule haben wir angefangen, Freizeitaktivitäten zu suchen. In Irland gibt es 2 Sportarten, die es sonst nirgendwo wirklich gibt, Gaelic Football und Hurling/Camogie (für Mädchen). Da ich schon so lange Fußball spiele fiel mir Gaelic Football nicht sehr schwer, da es ähnlich ist, man den Ball aber mehr mit den Händen spielt und es 15 Leuten in jedem Team gibt, eine Mischung aus Hand-, Fuß-, und Volleyball würde ich sagen. Es macht echt sehr viel Spaß und ist definitiv mal was anderes zu den auf europäischem Festland üblichen Sportarten. Hier gibt es viele Leute, die mehr als nur eine Sportart spielen, und so gehe ich neben dem einmal wöchentlichen Fußball Training auch zweimal zum Gaelic Football. Hurling ist dann schon etwas schwieriger, es wird mit Holzschlägern in der Form von riesigen Kochlöffeln und einem etwa baseballgroßen Ball gespielt. Man braucht definitiv mehr Technik als für Gaelic Football, aber dafür sind Hurlingspiele, meiner Meinung nach, auch interessanter und spannender anzusehen. In all diesen Freizeitaktivitäten lernt man wieder viele neue Leute kennen und es hilft wirklich gegen Heimweh, dass man immer beschäftigt bleibt und einfach rausgeht mit Freunden, wenn man wirklich mal nichts zu tun hat. Ungefähr nach ein paar Monaten, gewöhnt man sich an alles, man versteht die Leute immer besser und hat seinen Alltag und Freunde gefunden. Das ist auch ungefähr der Moment, in dem einem klar wird, dass die Zeit die man hier verbringt gar nicht so lang ist und es mit jedem Tag, den man hier ist, ein Tag weniger bis zur Rückreise ist. Ein anderes Highlight war für mich unter anderem Weihnachten, es wird hier sehr viel größer gefeiert, und einmal am Weihnachtsmorgen früh aufwachen und die ganzen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum liegen sehen ist schon etwas echt besonderes was man nur einmal im Leben erlebt. Das Wetter ist auch etwas ganz spezielles. Von August bis ungefähr Oktober hatten wir echt Glück, es war meistens sonnig und hat kaum geregnet. Aber als es dann im November angefangen hat, hat es bis Ende Januar nicht mehr aufgehört. So ziemlich alle Fußballspiele mussten verlegt werden, und uns blieb nichts anderes übrig als drinnen zu bleiben, Kekse zu backen, Filme zu gucken oder ins Kino zu gehen, was natürlich auch nicht schlecht ist und wirklich hilft beim Englisch sprechen und verstehen. Noch ein Höhepunkt war für mich der Sieg des All-Ireland Finals mit unserer Schulfußballmannschaft. Nachdem wir schon mit dem ersten Spiel das Munster Finale gewonnen haben, haben wir im Halbfinale nachdem wir 2:0 zurück lagen gerade noch 3:2 gewonnen. Damit ging es in das Finale nach Dublin. Es war wirklich eine super Stimmung, besonders, weil die Mädels das Finale auch schon im letzten Jahr gewonnen hatte. Das Finale war nicht so spektakulär wie das Halbfinale und ich habe auch leider nicht gespielt, aber es war trotzdem ein geniales Gefühl. Wir wurden an dem Abend als wir zurück gekommen sind wirklich groß von der ganzen Schule, allen Eltern und dem Direktor begrüßt. Im Gegensatz zu Weihnachten wird Ostern nicht ganz so groß gefeiert, aber es werden riesige Schokoladenostereier mit unterschiedlichen Schokoriegeln verschenkt und es gab ein Familienessen, zu dem ich mitkommen durfte, was vielleicht auch nicht in jeder Gastfamilie selbstverständlich ist. Ich bin in keiner der Ferien nach Hause geflogen, weil ich einfach das meiste aus allem machen wollte und wirklich jede einzelne Erfahrung mitnehmen wollte die ich kriegen kann und es hat sich definitiv gelohnt. Meine Gastschwester ist an Weihnachten und Ostern nach Hause gefahren, was meine Zeit ab und zu ein bisschen einsam gemacht hat, aber ich habe hier echt super Freunde gefunden, es wurde nie langweilig. Jetzt ist es April, und es sind noch knapp 2 Monate vor mir, die hoffentlich mit einigen Fußballspielen (endlich!!), viel Freude, ein paar Geburtstagsfeiern und am Ende mit sehr vielen Tränen gefüllt sind. Tränen, weil ich einen wundervollen Platz wieder verlassen muss, weil ich extrem glücklich bin, dass alles erlebt haben zu dürfen, und Freudentränen meine ganze Familie endlich wiederzusehen.