Mein Erfahrungsbericht von meinen ersten 7. Monaten in Kanada.

von Leonie

Mein Erfahrungsbericht von meinen ersten 7. Monaten in Kanada.

7 Monate bin ich nun schon auf Salt Spring Island in British Columbia an der Westküste Kanadas. Unvorstellbar, wie schnell diese 210 Tage vorbei gegangen sind. Es sind wertvolle Stunden hier auf dieser kleinen Insel, die doch so voll mit Leben ist. Am 27. August bin ich in Berlin-Tegel ins Flugzeug gestiegen. Mit Schülern der Organisation bin ich gemeinsam nach Toronto geflogen, wo wir alle viel Spaß miteinander hatten. Es war der perfekte Start in 10 aufregende Monate. Alle zusammen sind wir in ein Abenteuer geflogen und nach drei Tagen in der größten Stadt Kanada’s hat sich jeder auf seinen eigenen Weg gemacht. Erstaunlicherweise war ich ausgesprochen entspannt, als ich in Victoria am Flughafen ankam. Ich wurde von der Schwester meiner Gastmama abgeholt, weil diese die Fähre verpasst hat. Ein großes Willkommen gab es nicht, aber darüber war ich froh. Nachdem, ich schonmal die frische Luft eingeatmet und mir den Wind um die Ohren wehen lassen habe, kam meine Gastmama. Gemeinsam haben wir Zeit verbracht und auf meine mexikanische Gastschwester gewartet. Von Anfang an haben wir uns alle super verstanden und wurden Freundinnen. Dann ging es ab auf die Insel, auf die ich ein Jahr sehnlich gewartet habe. Allein schon die Fähre ist Erlebnis genug hier herzukommen und durch die vielen anderen kleinen Gulf-Islands zu fahren. Ich hatte keine Erwartungen gestellt, damit ich nicht enttäuscht, sondern nur überrascht werden kann. Das ist mir auch gelungen. Seit dem ersten Tag habe ich diese Insel in mein Herz geschlossen, auch wenn ich die erste Woche manchmal ganz schön durch gedreht bin. Berlin und Salt Spring unterscheiden sich doch schon ein kleines bisschen. Was diese Insel ausmacht? Neben viel Gluten- und Zuckerfreiem Essen, neben unzähligen Hippies, wahrscheinlich die Friedlichkeit und Herzlichkeit, die die Menschen hier in sich tragen. Die kurvigen Straßen, die auf und ab gehen und mit Fahrrad unmöglich sind zu fahren. Der merkwürdigste Busplan und man deshalb ständig auf jemanden mit Führerschein angewiesen ist, oder eben läuft. Und soviel mehr. Ehrlich gesagt, habe ich eine Weile gebraucht um mich an diese andere Welt zu gewöhnen, aber das war es wert! Die Schule hier ist auch wie vieles andere nicht ganz gewöhnlich. An 4 Tagen Schule hat man 4 Kurse. Jeden Tag dieselben, allerdings in einer anderen Reihenfolge. Im ersten Semester war ich in Social Studies, Media Arts, Mathe und Englisch. Das zweite ja wurde dann definitiv entspannter, als ich meine Kurse wählen konnte. Nun bin ich in Mathe, Tanzen, Geschichte und Fitness and Strength. Die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler basiert auf einer sehr freundschaftlichen Basis, sodass das Lernen und auch das da sein im Unterricht sehr angenehm wird. Die Lunch-pause verbringt man meistens in der kleinen Stadt. Es gibt viele Möglichkeiten gut zu Essen, was mich auch grandios zunehmen lassen hat. Auch die Cafeteria bietet gesundes und frisch gekochtes Essen. Mit meiner Gastfamilie habe ich nie Probleme und auch nie welche gehabt. Wir haben ein sehr entspanntes Verhältnis, da sie meiner Gastschwester und mir vertrauen. Sie unterstützen uns sehr und geben uns ein sicheres Gefühl, was vor allem für mich in den ersten Wochen sehr wichtig war. Meine Gastschwester und ich helfen viel im Haushalt. Meine Gasteltern erwarten nicht viel von uns,aber wir machen es gerne. Wenn es Probleme gibt, werden sie besprochen und damit schnell aus der Welt geschafft, was das Leben unheimlich leicht macht. Wir unternehmen viel zusammen. All die Feiertage habe ich mit ihnen verbracht und vor allem an Weihnachten haben sie mich meine Familie kaum vermissen lassen. Es ist aufregend morgens am 25. die Geschenke auszupacken und den Rest des Tages mit der Familie essend und lachend zu verbringen. Die kanadische Kultur, wie ich sie kennengelernt habe, ist unglaublich liebenswert und aufgeschlossen. Ich glaube für Thanksgiving und Halloween macht jeder Austauschüler in Nordamerika seine eigenen Erfahrungen. Das Essen, was es gibt, ist jedenfalls großartig. Mit den International Students aus Brasilien, Mexcio, Japan, Chile, Korea und vielen anderen Ländern war ich in Whistler Ski fahren und in Vancouver Weihnachtseinkäufe machen. Man wächst zu einer großen Familie heran, was unbezahlbar ist. Ich habe schnell Freunde gefunden und mich eingelebt. Am ersten Tag in der Schule bin ich auf Menschen zu gegangen und sie sind auf mich zugekommen. Ich habe gemerkt, dass es wichtig ist offen zu sein und auf die Menschen zu zugehen, denn auch sie sind meist unsicher mit einem Kontakt zu knüpfen. Dadurch habe ich das Geben und Nehmen noch viel mehr zu Schätzen gelernt. Dieser Fleck Erde hier ist ganz besonders und unterscheidet sich in jeder Hinsicht von dem Rest von Kanada und auch definitiv dem Rest der Welt. Vergleichen kann man ihn jedenfalls nicht und ich glaube, bevor man nicht selbst hier war kann man es sich auch nicht vorstellen. Eins ist allerdings sicher und zwar dass es sich lohnt hier einmal herzukommen. Jetzt wird gerade Frühling auf der Insel und ich freue mich auf die nächsten und letzten drei Monaten dieses Auslandsjahres. Ich habe noch viel vor und will jede freie Möglichkeit mit ganz viel unvergesslichen Momenten füllen.