Au Pair in Zeiten von Corona

Mein Name ist Bettina, ich bin 24 Jahre alt, komme aus dem Burgenland und lebe seit letztem Sommer bei meiner Gastfamilie mit ihren zwei Kindern in der Nähe von Seattle. Ich bin eines der vielen Au Pairs, die sich trotz Coronakrise dazu entschieden haben, in den USA zu bleiben. Mit meinem Beitrag möchte ich euch zeigen, wie ich diese außergewöhnliche Corona Situation erlebe und was mir dabei hilft, auch weiterhin durchzuhalten. 

Und plötzlich war alles anders

Mitte März, nachdem ich meine Gastkinder an der Schule absetzte und auf mein Handy blickte, stach mir eine Schlagzeile besonders ins Auge: “WHO stuft den Coronavirus als globale Pandemie ein.” Obwohl die Situation schon davor recht angespannt war, veränderte sich mit dieser Schlagzeile mein Alltagsleben schlagartig.

Damals war ich gerade von einem entspannten Kalifornien-Urlaub zurückgekehrt. Nur wenige Augenblicke später war an solche Reisen in naher Zukunft leider nicht mehr zu denken. Danach ging alles sehr schnell. Sport- und Freizeitaktivitäten der Kinder fanden nicht mehr statt, Schulen wurden geschlossen, meine Gasteltern arbeiteten nun von zuhause aus, meine Familie in Österreich musste schweren Herzens ihre Reise nach Amerika eine Woche vor Antritt absagen und wir zogen vorerst auf unbestimmte Zeit in das Ferienhaus meiner Gastfamilie – von der West- an die Ostküste. Ganz schön viele Veränderungen innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne!

Hope

Should I stay or should I go?

Nachdem endlich wieder so etwas ähnliches wie ein normales Alltagsleben hergestellt war, überschlugen sich die Ereignisse gleich ein weiteres Mal und die Frage einer vorzeitigen Heimreise meinerseits stand im Raum. Zu Beginn wollte ich zwar mein Auslandsjahr auf keinen Fall abbrechen, doch nachdem einige meiner Freunde ihre Heimreise angetreten haben und ich immer öfter besorgte Nachrichten von Familie und Freunden aus Österreich bekam, musste ich nun endgültig eine Entscheidung treffen. Obwohl ich mir den Verlauf meines Au Pair Jahres nicht einmal im Traum (oder Albtraum) so vorgestellt hätte, beschloss ich zu bleiben und von nun an jeden Tag einfach so zu nehmen wie er kommt.

Positivity

Statt Lunch Dates mit meinen Freundinnen war nun Homeschooling angesagt und mein Vorsatz, so viel wie möglich von den USA zu sehen und zu reisen, musste erst mal schweren Herzens in die ferne Zukunft aufgeschoben werden. Dazu kamen Sorgen und Ängste meiner Gastkinder bezüglich der gegenwärtigen Situation, auf die ich oft keine Antworten wusste. Wie erklärt man einem Kind etwas, das man selbst nicht ganz versteht? Zum Glück unterstützen mich meine Gasteltern in solchen Situationen sehr und sind, dem Home Office sei Dank, die meiste Zeit verfügbar. In meinem neuen Alltagsleben versuche ich einige Punkte zu befolgen, um mich trotz allem besser zu fühlen, und diese gute Laune auch an die Kinder weiterzugeben:

Meine Tipps für euch:

  • Hobbys finden und diese auch regelmäßig ausüben

Die Möglichkeiten sind in Zeiten der Quarantäne natürlich beschränkt, trotzdem finde ich es wichtig, sein eigenes kleines “Projekt” zu finden. Ganz egal, ob man sich handwerklich, kreativ, sportlich oder anderweitig betätigt, nehmt euch täglich Zeit und arbeitet an etwas, das euch von der derzeitigen Situation ablenkt und auf andere Gedanken bringt. Selbst wenn ihr gerade am Liebsten eure gesamte Freizeit mit Netflix verbringen würdet.

  • Findet Zeit für euch selbst

Das kann gerade jetzt zur Herausforderung werden, denn in den meisten Fällen verbringt man nun auch seine gesamte Freizeit fast ausschließlich im Haus der Gastfamilie. Also rund um die Uhr verfügbar, richtig? Falsch! Jeder braucht mal Zeit für sich und dieses Gefühl kann meist auch jeder nachvollziehen, auch eure Gastfamilie. Versucht ihnen an euren freien Tagen zu erklären, dass ihr zwar am nächsten Tag gerne wieder mit ihnen spielen werdet, aber gerade wirklich gerne eure Serie schauen würdet. 

  • Macht euch nicht unnötig viel Stress

Meine sozialen Medien explodieren gerade regelrecht vor Beiträgen mit Bastel- und Rezeptideen und Bildern von Eltern und Au Pairs, die diese schwierige Situation nicht nur im Griff haben, sondern regelrecht mit Bravour meistern. Solche Tage mag es natürlich auch geben, doch selbst wenn ihr euch in einer Situation wiederfindet, in der ihr jene halbverbrannten Cookies esst, die ihr zuvor um Haaresbreite im Ofen vergessen hättet, während ihr in einer fremden Sprache verzweifelt versucht Mathe-Arbeitsblätter zu erklären, denkt dran: Ihr gebt gerade euer Bestes und noch viel mehr! Als mir mein jüngeres Gastkind vor Kurzem sagte, sie sei wirklich sehr froh darüber, dass ich geblieben bin, konnte ich aus voller Überzeugung und von ganzem Herzen sagen: “Ich auch!”

Bastelstunde

Weitere Tipps:

Du hast weitere Tipps und Tricks um Kinder zu beschäftigen oder um sich selbst etwas Gutes zu tun? Dann verrate es uns in den Kommentaren!

Das gesamte AIFS Team möchte sich bei allen Au Pairs bedanken, die in dieser schwierigen Zeit auch weiterhin ihre Gastfamilie tatkräftig unterstützen. Ihr seid Heldinnen! #stayhometraveltomorrow

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