LIVE #12: Wenn Besonderes zur Gewohnheit wird

Sophie 1Jeder kennt Ferien bei oder mit Oma und Opa: man kann alles, man darf alles, man kriegt alles. Ja, auch ich bin in den Genuss etlicher Wochen alleine bei Oma und Opa gekommen (was man mit 2 Geschwistern und 3 Cousinen/Cousins sehr zu schätzen weiss). Was mir, bzw. meiner Mutter nie passiert ist (wirklich nie, ich hab sie gefragt), wäre, dass sie Schwierigkeiten hatte, mich zurück zum Gewohnten zu bringen. Sprich: mir, und auch meinen Geschwistern, war immer klar, dass zu Hause wieder ein anderer Wind weht. Unglücklicherweise ist das bei den Zwillingen nicht der Fall.

Der Ausgangspunkt: anlaesslich des 40. Geburtstags meiner Gastmutter stand eine Woche Mexico an – für Mami und Papi, ganz in Ruhe ohne Kinder. Zum einen ein sehr besonderes Geburtstagsgeschenk, zum anderen eine kleine Auszeit – der erste Urlaub seit der Geburt der Zwillinge. Da meine 45h/Woche nicht ausreichen, um die Kinder alleine zu versorgen, beschlossen wir also, dass Oma und Opa zur Unterstützung kommen. Damit sind meine stillen Wünsche in Erfüllung gegangen, weil das auch für mich durchaus kleine Extras beinhaltet (über gutes Essen bis hin zu “bleib sitzen, wir wechseln die Windeln”). Soweit, so gut. Von Samstag bis Freitag war nun Arbeitsteilung angesagt, den kompletten Samstag wollten Oma & Opa und Mama & Papa dann zusammen in New York verbringen und abends wiederkommen. Samstag hiess also 10h alleine mit den Kindern. Auch kein Weltuntergang.

Was ich jetzt, vor der wirklichen Geschichte, einschieben muss, ist die äußerst niedliche Art des Grossvaters, aus allem einen Song und Tanz zu machen. Manchmal kommt einem das etwas bescheuert vor, allerdings hat er den Kindern so alles irgendwie schmackhaft gemacht, was sie vorher hassten.
So auch das Windel wechseln (wer immer jetzt was isst, sollte entweder das Essen oder das Lesen unterbrechen – no table talk!). Gerade Charlie, der viel mit dem allseitsbekannten wunden Baby Po zu tun hatte, fand Windeln wechseln immer sehr schlimm. Dank Opa ging selbst das ohne Tränen vonstatten.

Samstag morgen stehen nun die Zwillinge und ich am Fenster und winken Oma und Opa zum Abschied, als Charlie in dem Moment, wo das Auto vom Hof rollt, laut ausruft “OH Sophie, but I have a Poopy-Party“ (selbsterklaerend was das ist, denke ich. Der Neologismus stammt allerdings von Opa). Nun gut, auf ins Kinderzimmer zum Windeln wechseln. Womit ich nur leider nicht gerechnet habe: der kleine Charlie, blauäugig, blonder 2 jähriger Engel, setzt sich mit verschränkten Armen vor mich und sagt “No, Grappa dus it” (Grappa wird Opa genannt und dus ist das persönliche, eigens erfundene Wort der Zwillinge für does).

Im ersten Moment bin ich natürlich nicht davon ausgegangen, dass er das ernst meint, bis ich versucht habe, ihn auf den Wickeltisch zu legen und er anfing, vor mir wegzulaufen. Schade, das wird nicht ganz einfach. Nach 30 Minuten Diskussion und unzähligen Versuchen, ihn auf den Wickeltisch zu bekommen (inkl. TV, Süßigkeiten und extra viel Mac’n’Cheese) fing selbst Elise an, die Nase zu rümpfen. “Ew, Charlie Poopy” erleichterte die Diskussion auch nicht, weil immer noch “Grappa dus it” galt. Das ganze spielte sich übrigens bei ca -5 Grad Celsius Aussentemperaturen ab, schnell mal das Haus lüften ging also auch nicht. Selbst Cooper kam aus seinem Zimmer und fragte, ob der Hund den Windeleimer der Kinder aufgerissen hat oder was stinke hier so.

Nach fast einer Stunde gingen mir (und meiner Nase) die Nerven beinahe auf Grundeis. Ich unternahm den gefühlt 47289275 Versuch, die Grosseltern auf dem Handy zu erreichen, was bis dato fehlgeschlagen war, da diese ja im Auto auf dem Weg zum Bahnhof waren. Tatsächlich nahm der Grossvater doch noch ab. Gemeinsam versuchten wir also, Charlie dazuzubringen, auf dem Tisch zu bleiben. Schließlich fing er an, den selbsteinstudierten Poopy-Song über den Lautsprecher zu performen und Charlie beruhigte sich tatsächlich. Falls jemand denkt, dass das nicht gut genug ist: während ich also endlich die Windel wechseln konnte, musste ich schon das Lachen unterdrücken weil das doch eine sehr komische Situation war. Auf einmal fing Charlie aber an, mitzusingen und, noch besser, zu tanzen. Am ende strahlte er mich an, applaudierte sich selbst und gab ein zufriedenes “Poopy Dance” von sich.

Eine Sache, die ich daraus gelernt habe: das nächste mal, Wenn Oma und Opa Zeit ansteht, heißt das für mich: 0 Entspannung, 100% Konzentration auf besondere Tänze oder Songs, um auf eben sowas vorbereitet zu sein.

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