Weils so schön war, gleich nochmal!

Eva ist bereits zum zweiten Mal als Au Pair mit AIFS unterwegs! Sie erzählt davon, was sie beim zweiten Mal anders macht, was sie beibehält und und und. Diesmal ein etwas längerer Beitrag, aber für alle lesenswert, die ein zweites Mal als Au Pair ins Ausland gehen wollen!

Hallo,

ich bin Eva und lebe gerade als Au Pair Professional in der Bay Area von Kalifornien. Ich bin bereits zum zweiten Mal als Au Pair in den USA und möchte euch etwas näher bringen, warum ich mich ein zweites Mal dafür entschieden habe und wie es mir bis jetzt dabei ergangen ist.mischalorenz_aifs_usa_full_TIFF_08

Ich habe mich 2009 nach meinem Abitur das erste Mal als Au Pair beworben und bin im Januar 2010 nach Princeton in NJ gezogen. Dort habe ich bei einer alleinerziehenden Mutter mit ihrer damals 13-jährigen Tochter gewohnt. Grob zusammengefasst habe ich dort die Zeit meines Lebens verbracht, wunderbare Freunde gefunden mit denen ich bis heute noch sehr gut befreundet bin und mich in meiner Gastfamilie sehr wohl gefühlt. Da es mir dort so gut gegangen ist, habe ich bereits nach ca. 4 Monaten überlegt zu verlängern, was ich schlussendlich auch getan habe. Da meine Hilfe bei meiner ursprünglichen Gastfamilie nicht mehr gebraucht wurde, bin ich nach Westchester, NY gezogen. Dort habe ich mich weitere 6 Monate um 2 Jungs im Alter von 11 und 13 gekümmert. Ich hatte ein zweites Mal sehr viel Glück mit meiner Gastfamilie und habe mich auch dort sehr wohl gefühlt. Nach 1,5 Jahren fiel mir der Abschied, nicht nur von meiner Gastfamilie und meinen Freunden, sondern auch von dem Land und ganz besonders NY, sehr schwer. Um es in meinen Worten auszudrücken, ich hatte gar keinen Bock auf zu Hause und habe schon Wochen vor der Rückkehr Depri-Phasen geschoben.

Als ich in Deutschland angekommen bin, hat sich meine Trauer jedoch sofort gewandelt. Ich wurde super schön empfangen und war überglücklich meine Familie und Freunde wieder zu sehen. Die ersten Tage hat es sich angefühlt, als wär der ganze Auslandsaufenthalt nur ein unglaublich langer und realer Traum gewesen. Da ich sehr schnell nach meiner Ankunft angefangen habe zu studieren und ich wirklich tolle Freunde zu Hause habe, die sich sehr gut um mich gekümmert haben, blieben große Trauerphasen aus, in denen ich mich nur noch nach NY zurück gewünscht habe. USA blieb jedoch die nächsten Jahre ein großer Teil von mir. Obwohl die 1,5 Jahre, verglichen mit den Jahren die ich in Deutschland verbracht habe, so wenig erscheinen, habe ich ständig daran zurück gedacht und wurde häufig durch Kleinigkeiten daran erinnert. Die Zeit im Ausland hat meinen weiteren Weg sehr geprägt und mein Leben wäre ganz anders verlaufen, wenn ich mich dagegen entschieden hätte. Allein mein Studium hätte ich mir direkt nach dem Abitur noch nicht vorstellen können. Ich habe also die folgenden 3 Jahre Pädagogik studiert und 2014 meinen Bachelor of Arts erhalten.

Meine Optionen danach waren, entweder einen Master anzufangen, einen Job zu suchen, oder die Umbruchphase zu nutzen, um weitere Auslandserfahrungen zu sammeln. Während ich mich für Stellen beworben habe und Maserstudiengängen recherchiert habe, habe ich beschlossen mich parallel für ein weiteres Au Pair Jahr zu bewerben, um mir alle Möglichkeiten offen zu halten. Warum aber nochmal Au Pair? Dafür gibt es mehrere Gründe. Von meinem Pädagogik Studium ist der Au Pair Job nicht sehr weit entfernt, es ist in derselben Nische und zumindest nicht etwas völlig anderes. Mir war wichtig in einem Land, an einem Fleck länger zu leben, Work and Travel kam deshalb für mich nicht in Frage. Über ein Studium im Ausland habe ich mich informiert, da ich aber wenn dann nur in den USA studieren wollte, konnte ich mir die Studiengebühren zusammen mit dem Unterhalt nicht leisten. Außerdem war mir das Familienleben wichtig und da meine Gastkinder damals nicht jünger als 11 Jahre alt waren, hat mir die Erfahrung mit kleinen Kindern gefehlt, die in einer Gastfamilie ganz anders ist, als wenn man für eine Familie hin und wieder Babysittet. Wer bereits längere Zeit in einem bestimmten Land gelebt hat wird vielleicht nachvollziehen können, warum ich mich ein zweites Mal für dasselbe Land entschieden habe. Ich fühle mich durch meine Zeit dort besonders verbunden mit Amerika. Es fühlt sich dort wie ein zweites zu Hause für mich an und deshalb hab ich auch über diese Entscheidung nicht lange nachdenken müssen. Natürlich möchte ich noch mehr von der Welt sehen als „nur“ USA, wenn ich aber daran denke in ein anderes Land zu ziehen und dort ein neues Wohnen aufzubauen, steht bei mir USA ganz oben. Durch meinen vorherigen Aufenthalt konnte ich mich zusätzlich als Au Pair Professional bewerben. Wär das nicht der Fall gewesen, hätte ich mich wohl nicht ein zweites Mal beworben.

mischalorenz_aifs_usa_full_TIFF_13

Meine Bewerbung und die Auswahl meiner Gastfamilie, lief auch etwas anders ab als das erste Mal. Ich hatte bereits sehr viele Au Pairs und Gastfamilien kennengelernt, wodurch ich bei der zweiten Runde viel mehr wusste, was mir an meiner Gastfamilie wichtig ist, womit ich zurecht komme und was für mich auf keinen Fall in Frage kommt. Ich wusste besser wie ich mich selbst durch meine Bewerbung präsentiere, wie ich meinen „Family letter“ am besten schreibe und wie ich genau die Familien anspreche, die ich suchte. Auch habe ich mich bei dem ganzen Bewerbungsprozess nicht darauf versteift, unbedingt eine passende Familie für mich finden zu müssen. Ich hab alles auf mich zukommen lassen und dachte mir, wenn ich eine tolle Familie finde die mich mag und die auch meinen Ansprüchen gerecht wird, bin ich dabei, wenn nicht, werde ich nicht auf Biegen und Brechen versuchen etwas passend zu machen, sondern bleibe eben in Deutschland. Durch meine guten Referenzen haben sich sehr viele Familien bei mir beworben. Alle Familien mit älteren Kindern habe ich von vornherein abgesagt. Auch Familien, die in derselben Umgebung wie damals gewohnt haben, habe ich sofort abgesagt. Am Ende waren 3 von ca. 20 Familien in der engeren Auswahl, wobei meine letztendliche Gastfamilie am besten zu mir gepasst hat und sie sich schlussendlich auch für mich entschieden hat. Anfangs fühlte ich mich in der Zwickmühle, ob ich nun das Angebot annehmen sollte, oder doch lieber weiter studieren sollte, oder einen Job in Deutschland anfangen sollte. Der einzige Masterstudiengang, der damals wirklich Ansprechend für mich war, ist gerade noch in der Akkreditierung und wird erst 2 Jahre nach meinem Bachelorabschluss wieder angeboten. Der Job, der mich am meisten interessiert hatte, habe ich zu dem Zeitpunkt nicht bekommen und die anderen freien Stellen, die für mich ansprechend waren, waren keine „one-in-a-lifetime“ Möglichkeiten, auf die ich mich nicht nach einem weiteren Auslandsaufenthalt auch hätte bewerben können. Somit war die Entscheidung gefallen.

6 Wochen nach dem „Match“, im Oktober 2014, bin ich ein zweites Mal auf die Orientation gefahren. Das einzige was sich geändert hat war das Hotel, der Rest war fast O-Ton dasselbe wie damals. War aber ok und interessant das ganze nochmal zu hören, wenn man bereits seine eigenen Erfahrungen gemacht hat. Auch hier hatte ich Glück mit dem Mädchen auf dem Zimmer zu sein, die heute eine meiner besten Freundinnen hier geworden ist und mit mir zusammen nach Kalifornien flog.

mischalorenz_aifs_usa_full_TIFF_22

Vor Kalifornien hatte ich einerseits Sorgen wegen dem Alter der anderen Mädchen (ich war immerhin schon 25 und keine 18 mehr) und andererseits, dass ich am Ende hier sitze und das Gefühlt habe, genau dasselbe wie vor 3 Jahren zu machen. Zu dem Alter meiner Freunde: Ich habe viele Mädchen kennengelernt, die trotz ihrer jungen Jahren im Vergleich zu mir, sehr enge Freunde geworden sind. Außerdem habe ich auch ältere Au Pairs und nicht-Au Pairs als Freunde gefunden. Diese Sorge war also schon mal umsonst.

Es gab ganz klar Momente, in denen ich mich gefragt habe, was ich hier überhaupt mache. Warum ich nicht einfach in Deutschland einen vernünftigen Job angefangen habe, bei dem ich Menschen tatsächlich helfen kann, anstatt mich hier mit launigen Kindern rumzuschlagen. Die Gedanken hatte ich besonders am Anfang, als die Bindung zu den Kids noch nicht so stark war und auch Deutschland noch so greifbar nah. Mit der Zeit habe ich aber so viele positive Erfahrungen, nicht nur mit den Kindern und meinen Gasteltern, sondern auch mit dem Land, Kalifornien und meinen Freunden gemacht, dass ich hier immer mehr angekommen bin und ich die schlechten Tage als „Challenge“ und Erfahrungen fürs Leben einordnen konnte. Natürlich ist bis heute nicht jeder Tag wie im Nanny-Bilderbuch, jedoch habe ich mir hier so viel, auch um die Familie herum, aufgebaut, dass man die schwierigen Tage dadurch viel besser ertragen kann. Ich weiß heute auch, dass ich durch diese Momente im Nachhinein sehr gewachsen bin, die Erfahrungen kann einem keiner nehmen. Und sind wir mal ehrlich, zu Hause in Deutschland ist auch nicht alles immer so wie wir es gerne hätten.

Dadurch, dass ich jetzt die Möglichkeit habe an der Westküste, im wunderschönen Kalifornien, zu leben und nicht nur vom Alter, sondern auch vom Charakter her ganz andere Kinder habe, habe ich mich auch nie so Gefühlt, als ob sich alles wiederholen würde. Jede Familie ist anders, jedes Kind ist anders und ein Au Pair mit kleineren Kinder hat einen völlig anderen Job als ein Au Pair mit Teenagern. Das war mir ebenfalls früher nie so bewusst, aber man hat eine komplett andere Bindung zu den Kindern, je nachdem wie alt sie sind. Auch die Aktivitäten und Aufgaben eines Au Pairs sind sehr verschieden.

Als ich gerade in Kalifornien angekommen bin war es leichter für mich, mich in den Alltag meiner Familie einzufinden. Erstens hatte ich den Vorteil, dass ich die erste Woche mit meiner Vorgängerin zusammen gearbeitet habe und zweitens geht man viel selbstbewusster an das Ganze ran, da man weiß, was einen in etwa erwartet und, dass nicht alles von Anfang an rund läuft. Ich war bereits mit dem Land vertraut und wusste wie kleine Abläufe wie Geld abheben, einkaufen gehen oder das Anmelden für Kurse ablaufen. Auch war ich von Anfang an selbständiger und habe Unklarheiten sofort angesprochen, anstatt abzuwarten bis es zu spät ist, da man sich am Anfang vielleicht noch nicht so traut drei mal nachzufragen, weil man Angst hat sofort ins „Rematch“ geschickt zu werden. Der Übergang zu einem neuen Au Pair war somit auch für meine Gastfamilie leichter.

mischalorenz_aifs_usa_full_TIFF_24

Ich bin gerade einen Monat vor dem Ende meines Jahres und trotz der anfänglichen Zweifel glücklich über meine Entscheidung, ein zweites Mal als Au Pair nach Amerika gegangen zu sein. Obwohl ich während meines ersten Aufenthalts schon in Kalifornien Urlaub gemacht habe, habe nochmal eine ganz andere Seite von der Westküste gesehen. Ich habe viele einzigartige Menschen kennengelernt und neue Freundschaften und Kontakte fürs Leben gefunden. Ich hatte die Möglichkeit wunderschöne Orte zu sehen, die ich sonst vielleicht nie hätte sehen können. Und ich habe (mal wieder) riesen Glück mit meiner Gastfamilie gehabt, habe die Kinder sehr ins Herz geschlossen und kann sagen, dass ich hier ein zweites, eigentlich sogar ein drittes, zu Hause gefunden habe.

In meinem Reisemonat werde ich meine Familie aus NY besuchen. Wir haben zwar keinen regelmäßigen Kontakt, aber ich weiß, dass ich mich immer bei ihnen melden kann und sie immer einen Platz für mich bei sich haben. Ich habe sie bereits während meines Studiums zum ersten Mal besucht und ein paar Tage bei ihnen verbracht. Mit meiner ersten Gastfamilie aus NJ habe ich leider keinen Kontakt mehr.

Was ich anderen Mädchen, die sich überlegen ob sie als Return Au Pair zurückkehren sollen, ans Herz legen kann ist: Macht euch keinen Kopf wegen eurem Alter. Das was ihr hier erlebt ist 1000 Mal mehr wert, als am Ende ein Jahr mehr oder weniger gearbeitet zu haben oder ein Jahr früher oder später das Studium angefangen zu haben. Und: Es ist nicht dasselbe wie damals! Vielleicht ist es bei mir besonders auffällig, da ich jetzt an der komplett anderen Seite von Amerika wohne und Kinder in einem ganz anderen Alter habe. Aber ich glaube, dass jede Erfahrung, genauso wie jede Familie und jedes Kind einzigartig sind. Außerdem ist man immer auch selbst dafür verantwortlich, was man aus seiner Situation macht.

Danke fürs Lesen,

eure Eva

 

mischalorenz_aifs_usa_full_TIFF_16

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.