Mein Camp America Sommerjob in den USA

Lena Maria erzählt von ihrer Zeit im Special-Needs-CampMein Name ist Lena Maria (20) und ich komme aus Wien. Vor zwei Jahren habe ich maturiert und im Anschluss an der Universität Wien zu studieren begonnen. Meine Studienfächer sind Biologie und inklusive Pädagogik (Schwerpunkt: Beeinträchtigungen). Da ich noch keine praktische Erfahrung im Bereich der Behindertenarbeit hatte, wollte ich den Sommer sinnvoll nutzen. Als ich von „Camp America“ gehört habe, hat es sich perfekt angehört. Nur 9 bis 12 Wochen weg von zu Hause, also könnte ich das Heimweh umgehen und trotzdem genügend Erfahrungen sammeln. Außerdem hat es mich fasziniert, ein Sommercamp wie es in den Filmen gezeigt wird (Camp Rock, Ein Zwilling kommt selten allein, …), in echt zu sehen. Ich hatte zwar Erfahrung im Bereich der Kinderbetreuung, aber keine im Bereich der Behindertenarbeit. Meinem Camp war jedoch nicht Erfahrung, sondern Motivation und Ausdauer wichtig.

Das Camp hieß ‚Camp Sunnyside‘ und lag  in Des Moines, der Hauptstadt von Iowa. Camp Sunnyside war für Kinder und Erwachsene von 5 bis 99 Jahren. In den zwei Kinderwochen und sechs Erwachsenenwochen hatten wir Camper mit körperlichen Beeinträchtigungen, sowie Camper mit Lernschwierigkeiten in unterschiedlich starker Ausprägung. Alle Camper hatten somit individuelle Assistenz bei der körperlichen Hygiene nötig. Diese Assistenz konnte von Schuhe zubinden, bis hin zu Haare flechten, Ankleiden, Windeln wechseln oder Duschen alles sein.

Eine ganz normale Woche im Special-Needs-Camp

Jeden Sonntag begann eine neue Session im Camp: Neue Camper reisten an und blieben bis Freitag bei uns. Somit konnten wir ‚ausschlafen‘ und mussten ‚erst‘ um 9 Uhr beim Glockenplatz versammelt sein. Dort wurden Camp-Lieder gesungen und die Counselor wurden in die verschiedenen Cabins (Hütten) eingeteilt.

Eine Cabin (Hütte) bestand aus 10 bis 18 Campern und diese Camper schliefen zusammen in einem Schlafsaal. Sobald wir eingeteilt waren, wurden der ‚Cabin Leader‘ und der ‚Assistent Leader‘ bekannt gegeben. Diese waren dann u.a. für den Papierkram zuständig, für die Einteilung der Pausen sowie die Arbeitsverteilung.

Alle  Counselor mussten sich die Steckbriefe ihrer Camper durchlesen. Darauf war z. B. vermerkt, welche Dinge wir beim Essen, bei der körperlichen Hygiene oder beim Verhalten des jeweiligen Campers beachten müssen. Danach haben wir Dekorationen für die Woche gebastelt und jedem Camper ein Namensschild übers Bett gehängt. Jede Woche hatte ein Motto und wir versuchten immer, dieses für die Camper zum Leben zu erwecken und verkleideten uns natürlich auch dementsprechend. Um 14 Uhr kamen die Camper an und es begann der lange Prozess des Anmeldens, Medikamente bei der Krankenstation Ablieferns und des Auspackens. Der Sonntag wurde immer mit einem großen Lagerfeuer, S’Mores und mindestens zwei Stunden Camp-Liedern beendet.

Der Tagesablauf im Camp

Morgens um 6:45 Uhr mussten alle Counselor angezogen und mit Walkie-Talkie ausgestattet vor der Cabintür stehen. Gemeinsam machten wir uns ans Aufwecken der Camper. Außerdem assistierten wir jenen, die Hilfe beim Anziehen benötigten. Um 7:30 Uhr mussten wir zur Krankenstation gehen und jeder Camper bekam seine Medikamente.  Am Glockenplatz versammelten wir uns dann alle und es wurde die Glocke geläutet und Camp-Lieder gesungen. Danach wurde ganz patriotisch die amerikanische Flagge gehisst. Daraufhin gab es Frühstück und um 9 Uhr begannen die einzelnen Aktivitäten. In der Zeit bis zum Mittagessen waren zwar immer drei Aktivitäten geplant, aber manchmal kamen wir nur zu zwei, da die körperliche Hygiene der Camper zu viel Zeit beanspruchte oder eine Aktivität einfach länger dauerte.

Diese Aktivitäten konnten klassische Sachen wie ein ‚Nature Walk‘, ‚Arts and Crafts‘ oder ‚Sports and Games‘ sein. Unser Camp war toll ausgestattet, sodass wir auch besonderes anbieten konnten, wie zum Beispiel: Bogenschießen, Reiten, Klettern, Boot fahren oder Schwimmen gehen. Beim Bogenschießen gab es beispielsweise eine spezielle Armbrust für Camper mit motorischer Einschränkung, bei der sie nur einen Knopf zum Schießen drücken mussten. Beim Reiten gab es eine Rampe für Rollstuhlfahrer zum Auf- und Absteigen. Das Klettern konnte für alle ermöglicht werden, da wir spezielle Gurte hatten. Mit unseren Kanus, Tretbooten und dem Ponton hatten die Camper die Möglichkeit auf einen kleinen See rauszufahren. Unser Hallenbad war mit wassertauglichen Rollstühlen und Rollbetten ausgestattet und man konnte diese einfach über eine Rampe in den Pool schieben. Die Camper konnten mit einer Schwimmweste sogar alleine schwimmen.

Um 11:40 Uhr hieß es dann „Lunch Meds“. Nachdem jeder seine Medikamente erhalten hatte, ging es wieder zum Glockenplatz. Nach ein paar Camp-Liedern war es Zeit für das Mittagessen, denn um 13 Uhr begannen wieder die Aktivitäten. Am Nachmittag waren immer 4 Aktivitäten geplant – bis 16:40 Uhr. Später gab es „Supper Meds“ und danach ging es zum letzten Mal zum Glockenplatz, um die Flagge einzuholen und weitere Camp-Lieder zu singen. Das Abendessen endete um 18 Uhr und danach gab es immer eine besondere Abendaktivität. Das konnte eine Bootsparty, Poolparty, Tree Climbing, Bingo-Abend, Scavenger Hunt oder das wöchentliche Bankett am Donnerstag mit nachfolgender Tanzparty sein. Zwischen 21 und 22 Uhr wurden die Pyjamas angezogen und wir gingen für ein letztes Mal zur Krankenstation für die „Bedtime Meds“.

Sobald alle im Bett waren, versammelten sich die Counselor einer Cabin zur Nachbesprechung des Tages. Wenn man Nachtschicht hatte (das kam nur einmal pro Woche vor), musste man alle zwei Stunden aufstehen und die Betten kontrollieren, ob sich jemand eingenässt hat oder diejenigen aufwecken, die zu einer bestimmten Uhrzeit auf die Toilette gehen mussten. Im Endeffekt war aber jede einzelne Nachtschicht ein besonderes Erlebnis und brachte einem die Camper näher. Wenn man keine Nachtschicht hatte, hatte man Freizeit und konnte sich im Gemeinschaftsraum mit den anderen Counselorn treffen. Sehr oft war man aber einfach nur erledigt und ging schlafen, um Kraft für den nächsten Tag zu tanken.

Der Abschied

Der Freitag war für mich der schlimmste Tag der Woche, da wir uns von den Campern verabschieden mussten. Der Abschied war immer mit sehr vielen Tränen von allen Seiten und vielen dankbaren Gesichtern von Eltern und Betreuern verbunden. Nachdem alle Camper weg waren, ging es los mit den „Jolly Chores“. Das bedeutete Cabins putzen und für die nächste Session vorbereiten. Freitagabends begann für uns das Wochenende und wir hatten die Möglichkeit Iowa zu entdecken, Fast-Food-Restaurants zu probieren, die Woche zu feiern oder ein Auto zu mieten, um mehr von den USA zu sehen.

Fazit

Mit einem Lächeln im Gesicht und mit Tränen in den Augen blicke ich auf die Erfahrung im Camp zurück. Ich vermisse die Zeit dort sehr und würde jederzeit wieder ins Camp Sunnyside zurückgehen. Auch mein Reisemonat war unvergesslich, besonders als ich zum ersten Mal alleine reiste und in verschiedenen Städten meine Freunde aus dem Camp wiedergetroffen habe.

Liebe Grüße,
Lena

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