Mit Elisabeth als Volunteer in Kanada

Freiwilligenprojekt Kanada „Conservation“ / April bis Juni 2018

Hallo, ich bin Elisabeth, 20 Jahre alt und komme aus Hessen, Deutschland. Kanada war schon lange mein Wunschreisziel und zwischen Abitur und dem Beginn der Ausbildung ist doch bekanntlich der beste Zeitpunkt für einen Auslandsaufenthalt.


Da mich die Seen- und Waldlandschaft angesprochen hat, habe ich mich für Zentralkanada (Ontario) entschieden.
Durch meine Naturverbundenheit und das biologische Interesse aus dem Biologie Leistungskurs kam ich auf das Volunteerwork- „Conservation“- Programm von AIFS, mit dem ich 12 Wochen unterwegs war.

Am 07. April 2018 ging es für mich nach drei Monaten voller Vorfreude und stressigen Vorbereitungen endlich zum Flughafen. Nachmittags im verschneiten Toronto gelandet, stellte sich die Ankunft mit Visumsausstellung als schwierig heraus. Da ich drei Stunden in der Schlange zur Immigration stand, war dann natürlich auch mein Pick-up Service wieder ohne mich gefahren.

1.Problem: Wie gelange ich nun zum Hostel?
Zum Glück sind Kanadier wirklich so hilfsbereit wie immer alle sagen und so durfte ich mir an der Informationstheke des Flughafens zuerst eine Busverbindung raussuchen, schließlich musste ich für die Busfahrt nichts bezahlen und dann zeigten mir auch noch zwei Jugendliche den Weg zur Bahn, schenkten mir ihr Ticket und sagten mir, wo ich aussteigen müsse, um zum Hostel zu kommen.

Der erste Kontakt mit Kanadiern war also durchaus positiv!

Für den nächsten Tag war die Anreise zum Projektort geplant, welche problemlos verlief. In Orillia wurde ich von Sarah abgeholt. Sie fing vor einem Jahr als Volunteer an und wird nun bezahlt, dafür dass sie die Koordinierung der Volunteers und die Kalenderplanung übernimmt. Die Mitarbeiter waren also größtenteils Freiwillige, aber auch ein paar Festangestellte gab es.

Am Projektort „Scales Nature Park“ angekommen wurde ich direkt von Sarah durch das Reptilienhaus und die Wohnung der Volunteers geführt, die sich direkt übereinander befinden. Keine 10 Minuten dort, hatte ich auch schon den ersten Gecko auf der Hand sitzen.

Zunächst einmal als Information: ich wollte eigentlich nicht mit Tieren arbeiten, deshalb hatte ich mich auch für das Conservation und nicht für das Wildlife Programm entschieden…ABER alles gut, ich habe mich wohl gefühlt und da sie auf Schildkröten spezialisiert waren, hätte ich an keinem besseren Ort landen können, denn ich liebe Schildkröten schon seit klein auf.

Doch zu Beginn war ich schon erst einmal etwas enttäuscht, als ich in der ersten Woche nur im Reptilienhaus arbeitete. Um abzuklären ob sich das irgendwie ändern ließe, schrieb ich meiner Ansprechpartnerin von AIFS und sprach mit meinem Chef vor Ort. Er war total begeistert und glücklich, dass ich nicht mit den Tieren arbeiten wollte, sondern viel mehr Interesse an handwerklichen Tätigkeiten zeigte.

Geht also immer auf euren Chef zu, vieles lässt sich schnell klären!

So arbeitete ich also in den 12 Wochen in verschiedenen Gebieten, mit unterschiedlichen Tätigkeiten, kalten und warmen Umgebungen (-12 bis +29°C) und mit vielen tollen Menschen, die ich alle sehr ins Herz geschlossen habe.
Zu meiner Arbeit zählten im Reptilienhaus: füttern, Terrarien und Aquarien säubern, Boxen spülen, in die die Tiere zum Füttern gesetzt wurden und Regenwürmer im Garten suchen.
Außentätigkeiten waren Holz hacken, Feuerholzscheite stapeln, Garten umgraben, Kompost untergraben, Gemüsepflanzen setzen und Unkraut jäten, sowohl im Garten, als auch mitten im Wald, was echt nicht cool ist, da man einfach keinen Fortschritt sieht…

In meinen letzten vier Wochen arbeitete ich mit Mathias aus der frz. sprachigen Schweiz und Taylor aus Kanada zusammen, was die beste Zeit überhaupt war. Die Arbeit mit Garage aus- und umräumen, wo alles in Mäuse- und Waschbärkot getränkt war, war zwar echt nicht die schönste, aber die beiden sind einfach klasse, ich vermiss sie total und freu mich riesig auf die Europatour von Taylor, wenn sie uns alle besuchen kommt. 😀

Meine zweit liebste Beschäftigung war das verputzen, abschmirgeln und streichen der beiden Bäder, die für das Turtle Hospital aufgebaut wurden. Dieses Krankenhaus existierte nämlich eigentlich noch gar nicht und sie fingen im April erst an, eine ehemalige Flugzeughalle umzubauen.
Zwischendurch war noch zwei Wochen lang Turtle Boot Camp, aufgrund der Field- und Nestingsaison. Während des Boot Camps waren rund 30 Leute da, anstrengend, aber super so viele Kanadier von allen Provinzen kennenzulernen! Wir lernten Schildkröten zu fangen, in die GPS Datei aufzunehmen und Blut abzunehmen. Dies übten wir sowohl in der Theorie, als dann auch in der Praxis, im Wetland. War echt kalt mit 12 Grad Wassertemperatur, denn eine Woche zuvor hatte noch Schnee gelegen.

Die Nesting-Saison fand ich persönlich besser: dort sind wir im Auto oder auf dem Fahrrad Straßen entlanggefahren, haben nach Schildkröten oder Nestern Ausschau gehalten und notfalls gewartet, bis die Eier gelegt wurden.

Anfangs hatte ich bedenken, da mein Englisch nicht das Beste war. Aber das war letztendlich gar kein Problem und mit jeder Woche habe ich eine Verbesserung gespürt; jetzt zuhause vermisse ich es richtig nicht die ganze Zeit Englisch sprechen zu können, in der Schule damals hatte ich es gehasst.

Lasst euch davon also nicht abschrecken, alle verstehen, dass euer Englisch nicht das Beste sein kann und helfen euch gerne. Ihr werdet dafür bewundert, überhaupt mehr als eine Sprache sprechen zu können, viele englisch-muttersprachler wünschten sich dies zu können.

Ich hatte tolle 12 Wochen mit tollen so unterschiedlichen Menschen, mit vielen Kanadiern aber auch mit internationalen Leuten aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Belgien und Argentinien. Mit anstrengender Arbeit, vergleichsweise wenigen freien Tagen, vielem rumtragen, spülen und Terrarien säubern… Es war aber eine klasse Zeit und ich bin dankbar die Möglichkeit gehabt zu haben und die Erfahrung nicht missen zu müssen! Dank meinem Chef hatte ich auch die Gelegenheit mir freie Tage anzusammeln und dann für 7 Tage einen Städtetrip nach Ottawa und Montréal zu machen.

Beim Freiwilligenprojekt könnt ihr aus verschiedenen Gegenden, Jahreszeiten und Programmlängen wählen. Diese Zeit wird für euch von AIFS geplant, was ihr davor oder danach macht ist euch überlassen. Möglich ist es noch, gleich Ausflüge bei eurer Programmbuchung mit einzubuchen. Ich z.B. buchte die Niagara Falls Tour und die Algonquin-Nationalpark-Tour dazu. Diese fanden nach meiner Programmzeit statt, während ich noch zwei Wochen eigenverantwortlich in Toronto verbrachte.

Mein nächster Kanadatrip ist auch schon wieder in Planung, dann möchte ich aber gerne in den Westen und wenn es geht trotzdem einen Abstecher nach Scales machen um die Leute und die Entwicklung des Turtle Hospitals zu sehen.

Liebe Grüße und ein tolles Auslandsabenteuer wünscht

Elisabeth

P.S.: Scales Nature Park würde ich im Sommer als Conservationplatz empfehlen, im Winter ist es wohl eher Wildlife, weil dort draußen, außer Holz hacken, nicht viel gemacht werden kann. 😉

Alle Volunteer Projekte von AIFS findet ihr auf der Website.

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